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Die Idee, eine Wohnmobiltour nach Kanada zu unternehmen, kam uns im Sommer 2007. Die Zeit zwischen den Jahren nutzten wir, um eine grobe Planung abzustecken. Im Januar 2008 sollte es dann an die Feinheiten gehen. Dann gab es im Januar für Norbert plötzlich berufliche Veränderungen, die keine weitere Urlaubsplanung möglich machten. Nun sind zwei Jahre ins Land gezogen und wiederum ist es Januar, als wir uns intensiv mit dem Reiseziel Kanada beschäftigen. Die Flüge werden über die Hotline der Lufthansa gebucht. Wir geraten an einen sehr kompetenten Mitarbeiter, der sich viel Zeit nimmt und sehr bemüht ist, die richtigen Flüge für uns herauszufinden. Der Hinflug führt uns von Düsseldorf über Toronto nach Vancouver. Zurück wird ein Zwischenstopp in Chicago eingelegt. Nachdem wir die Flugbestätigung erhalten haben, werden das Wohnmobil und die Hotel-Übernachtungen in Vancouver gebucht. Die vorläufige Bestätigung erhalten wir sofort ausgedruckt, die endgültige bekommen wir zwei Tage später mit der Post.
In gut vier Monaten beginnt unser Abenteuer Kanada.
Nun ist es an der Zeit, die Route zu planen. Viele Reiseberichte über Wohnmobiltouren im Westen Kanadas habe ich mir durchgelesen und einige Stichpunkte notiert. Mit jedem Reisebericht, den ich lese, steigert sich die Vorfreude. Ich orientiere mich an den Reiseführern „Kanada der ganze Westen“ und „Kanada – Nationalparkroute“ sowie dem Reiseführer über Vancouver. Viele, viele Tipps und gute Informationen kann ich aus diesen Büchern nutzen. Die Route auszuarbeiten geht mir leicht von der Hand. Ich denke, es wird ein sehr abwechslungsreicher Urlaub mit einigen sportlichen Aktivitäten und hoffentlich vielen Tierbeobachtungen. Es wird bestimmt interessant und erlebnisreich. Anfang Mai machen wir einen Kurztrip in das Elsass. Als wir wieder nach Hause kommen, sind die Reiseunterlagen eingetroffen. Nun sind es nur noch 3 Wochen, bis wir aufbrechen. Die Zeit rennt dahin und unser Abflugtag steht vor der Tür.
03. Juni 2010, Donnerstag
Eine große Herausforderung ist das Kofferpacken. Welches Wetter wird uns in Kanada erwarten? Viele verschiedene Kleidungsstücke werden eingepackt. Da wir eine Womi-Tour unternehmen, überlegen wir, welche Dinge wir im Wohnmobil wohl vermissen werden. Was eben geht, wird in den Koffer verstaut. Wider Erwarten ist das Packen recht schnell erledigt. Den Nachmittag (ein herrlicher Frühsommertag) genießen wir entspannt im Garten.
Anreise, Vancouver 4. Juni 2010, Freitag, ein schöner Sommermorgen
Da unser Flieger erst gegen Mittag geht, können wir heute ausschlafen und in aller Ruhe frühstücken. Gegen 9 Uhr sind wir startklar. Einige Minuten später auf dem Weg nach Düsseldorf. In Düsseldorf angekommen geht es ruckzuck durch den Zoll. Wir begeben uns in die Lufthansa Lounge und Norbert nimmt ein zweites Frühstück zu sich. Mir reicht ein Getränk. Hier wird uns das Warten sehr angenehm gemacht. Unsere Bordingzeit ist auf 11:25 festgesetzt. Nur keine Eile, wir haben ja schließlich Urlaub. Zwanzig Minuten später sitzen wir auf unseren Plätzen. Reihe 4, Sitz A + B. Ich bin begeistert von den Sitzen und der Beinfreiheit. Der Kapitän macht seine Ansage, die Sicherheitsvorkehrungen werden erläutert und schon rollt das Flugzeug in seine Startposition. Die Turbinen heulen auf und der Airbus A300 gewinnt rasant an Geschwindigkeit, bis er sanft abhebt. Höher und höher steigt er, bei strahlendem Sonnenschein kann ich den Startvorgang gut von meinem Fensterplatz aus beobachten. Die ersten Kilometer ist uns der Rhein treu. Er schlängelt sich durch die Landschaft. Bald beginnen die Stewardessen Getränke zu verteilen. Als ich hinaussehe, fliegen wir bereits über Holland. Die langen Sandstrände der holländischen Küste leuchten zu uns herauf. Viele Öltanker tummeln sich in der Nordsee und warten darauf, die Raffinerien anfahren zu können. Weiter im Meer sehe ich einige Ölplattformen. Ein richtig tolles Flugwetter haben wir heute. Mittlerweile haben wir einen Aperitif serviert bekommen. In der Tiefe ist bereits England auszumachen. Die Menükarten werden ausgegeben und wir wählen unsere Speisen aus. Nach der Vorspeise, wir befinden uns über Schottland, gibt es Turbulenzen. Das Essen wird unterbrochen, denn auch die Crew muss auf ihren Sitzen Platz nehmen. Wie uns der Kapitän informiert, bekommt er die Informationen von einer vor ihm fliegenden Lufthansa-Maschine. Bald ist die Wackelei vorbei und das Essen wird weiter serviert. Ich fand die Unterbrechung prima, denn so hab ich die Chance, mir Schottland von oben anzusehen und Fotos zu machen. Die hügelige Landschaft und die Highlands sind sehr deutlich zu erkennen. Leider fliegen wir auf unserer Route nicht über Island. Auch von Grönland wird nur der südlichste Zipfel überflogen. Mittlerweile hat die Bewölkung zugenommen. Nur ab und zu gibt ein kleiner Streifen die Sicht auf den Atlantik preis. Im Flugzeug ist Ruhe eingekehrt, einige Passagiere schlafen, die anderen schauen Filme oder die Geschäftsleute arbeiten an den PCs. Norbert schaut sich seit geraumer Zeit ebenfalls einen Film an, das teste ich jetzt auch. Weil die gleißende Sonne über den Wolken arg blendet, habe ich die Verdunkelung etwas heruntergezogen. Doch immer wieder blicke ich hinaus. Plötzlich ist wieder gute Sicht, ich sehe tief unten viele zugefrorene, kleine und große Seen und einige Schneefelder. Laut Monitor überqueren wir gerade Labrador (ehemals Neufundland). Das sieht grandios aus, eine wahre Seenlandschaft. Dann sind die Wolken wieder da und ich verfolge meinen Film weiter. Obwohl es ein langer Flug ist, kommt keine Langeweile auf. Durch die Wolken habe ich immer wieder freie Sicht, doch beim Landeanflug auf Toronto durchfliegen wir eine dicke Wolkenschicht. Um 14:15 Uhr setzt der Airbus auf dem Rollfeld auf. Da unser Anschlussflug ein Innlandsflug ist, müssen wir durch die Passkontrolle. Dann unser Gepäck vom Kofferband holen, es dem Zoll vorführen und wieder aufgeben. Ob das alles gut geht? Endlose Gänge laufen wir entlang, fast 15 Minuten lang, dann stehen wir vor der Passkontrolle. Zum Glück sind mehrere Schalter geöffnet und niemand ist vor uns, so werden wir schnell abgefertigt. Eine weitere Viertelstunde stehen wir vor dem Gepäckband, bis wir unsere drei Koffer haben. Jetzt aber schnell zum Zoll. Die Dame schaut auf unsere Bordkarten, dann auf ihre Uhr und winkt uns schnell durch. Nun müssen wir zu einem weiteren Gepäckband, um unsere Koffer wieder dort hinaufzulegen.
Die Air-Canada-Maschine ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. Gegen 16 Uhr (Ortszeit =MEZ -6) hebt sie ab. Einige Zeit haben wir freie Sicht, dann zieht es sich zu und wir fliegen über einer geschlossenen Wolkendecke. Nur über den Rocky Mountains sind ab und zu Wolkenlöcher und ich kann die verschneiten Berge bewundern. Bei dem Landeanflug auf Vancouver fliegen wir eine Weile durch Wolken, dann endlich der erste Blick auf Vancouver und Vancouver Island. Über die Seeseite fliegen wir den Flughafen an und können bereits eine reizvolle Landschaft sehen. Bald stehen wir vor dem Gepäckband und als es anfängt sich zu drehen, liegen unsere Koffer als Erste. Schwups sind sie heruntergefischt, schnell raus aus dem Flughafengebäude, ins Taxi und die rasante Fahrt während der Rush-Hour beginnt. Gegen 19 Uhr (MEZ -9 Std.) treffen wir im Hotel ein, bekommen ein Zimmer im 14. Stock mit fantastischer Aussicht. Da wir, trotz des langen Tages, immer noch nicht müde sind, ziehen wir mit Fotoapparat los in die Stadt. Gute zwei Stunden schlendern wir umher, bevor es ins Hotel zurückgeht. Auf den letzten paar Metern, fängt es dann noch heftig an zu regnen. Es war ein langer Tag für uns und nun können wir endlich Gute Nacht sagen.
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Bilder Anreise - Vancouver - Abreise
Vancouver, Wohmi-Übernahme, Shannon Falls PP, 105 Tageskilometer 05. Juni 2010, Samstag (MEZ -9 Std.=Pacific Time), ein toller Morgen bei 23°C
 Morgens ist es noch leicht bewölkt. Gegen 8 Uhr telefoniert Norbert mit dem Wohnmobilvermieter und wir bekommen mitgeteilt, dass wir um 13 Uhr abgeholt werden. Jetzt wird ausgiebig gefrühstückt, bevor wir uns gegen 9 Uhr noch einmal auf Sightseeing begeben. Das erste Ziel ist der Stanley-Park. Das Wetter wird immer schöner und schon bald ist über uns herrlich blauer Himmel. Ein wunderschöner Urlaubstag. Wir nehmen viele tolle Eindrücke aus Vancouver mit auf unsere Fahrt. Dies wäre wirklich eine nette Stadt, um auszuwandern. Früh genug checken wir aus und warten in der Lobby auf den Taxifahrer. Eine gute Stunde geht es mit dem Taxi quer durch Vancouver, am Flughafen vorbei bis nach Delta zu der Womo-Vermietstation CanaDream. Einige Formalitäten müssen vor der Übernahme noch erledigt werden, dann bekommen wir eine Fahrzeugeinweisung. Jetzt heißt es Koffer auspacken. Als Erstes wird ein Supermarkt angefahren. Fast zwei Stunden verbringen wir in dem Einkaufszentrum, bis wir alles gefunden haben, was wir in den nächsten Wochen benötigen werden. Endlich ist es soweit, jetzt kann der Urlaub richtig beginnen. Wir wälzen uns durch den dichten Samstagabend-Feierabendverkehr von Vancouver, bevor wir die wunderschöne Strecke über den Sea to Sky Highway an der Westküste Kanadas nach Norden zurücklegen. Über dem Howe Sound sehen wir einen wunderschönen Sonnenuntergang und fahren in unseren ersten kanadischen Abend hinein. Immer später wird es und der von uns ausgesuchte Campground ist bereits ausgebucht. Auf reizvoller Strecke fahren wir auf gut ausgebauter Straße (Olympia sei Dank) durch eine spektakuläre Landschaft. Umgeben von Granitklippen und grünem Fjord geht es auf Sqamish zu. 
Gegenüber den Shannon Falls befindet sich der kleine Campground Klahanio, der auch noch ein Plätzchen für uns frei hat. Wir genießen den ersten Abend in der Natur Kanadas und lassen uns von dem Rauschen des Wasserfalls in den Schlaf wiegen.
Bildergalerie von Vancouver zum Mt. Robson Provincial Park
Shannon Falls PP, Whistler, 54 Tageskilometer 06. Juni 2010, Sonntag, wechselnd bewölkt und recht warm
Von unserem Stellplatz haben wir den direkten Blick auf die Shannon Falls. Das Tosen des Wasserfalls dringt bis zu uns herüber. Obwohl es draußen noch recht trübe aussieht, ist der Wasserfall heute Morgen unser Ziel. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite liegt der Shannon Fall Provincial Park (später nur noch PP abgekürzt). Frohen Mutes wandern wir um halb zehn los. Ein kurzer Trail führt uns über Treppen zum Fuße des Wasserfalls. Hier können wir beobachten, wie er über mehrere Stufen mit einer Fallhöhe von 335 m in die Tiefe stürzt. Wir möchten heute höher hinaus und begeben uns auf eine Wanderung entlang des Falls bis zu einem Aussichtspunkt. Die ersten Meter des Weges geht es über einen Schotterweg, doch schon bald wird es steinig und steil. An unüberwindbaren Felsblöcken geht es über Baumstämme, in die Stufen eingehauen sind. Wir laufen durch unwegsames Gelände, das einem Urwald gleicht. Überall wachsen Farne, die Steine sind mit Moosen und Flechten bewachsen und an den Bäumen hängen lange Bärte aus Moos. Mehrfach überqueren wir auf Holzbrücken Wildbäche. Unaufhörlich geht es bergan, mal über morastigen Boden mit Baumwurzeln, dann über Treppen aus Felsblöcken oder Leitern. Der Trampelpfad windet sich um den Bergrücken, endlich geht es ein Stück abwärts. Nun wird es noch steiler. Über feuchte Felsen geht es hinunter zu einem Bach und auf der anderen Seite beginnt gleich wieder der Aufstieg. All dies wiederholt sich immer wieder. Das letzte Stück führt uns über glatt geschliffene Felsen, wo wir uns an Tauen hinaufziehen müssen. Kurz darauf ist der Berggipfel erreicht und der Trail zu Ende. Gut drei Stunden haben wir für den Aufstieg benötigt. Oben angekommen genießen wir die Aussicht und machen eine kleine Pause, bevor wir uns wieder an den Abstieg machen. Nach 5 ¼ Stunden und ca. 16 km sind wir schachmatt wieder am Wohnmobil. So eine anstrengende Tour wollten wir eigentlich nicht am ersten Tag machen. Das Wetter wurde den Tag über immer schöner und wärmer, doch als wir gerade im Womi sitzen, fallen die ersten Regentropfen. Das ist für uns das Startzeichen. Weiter geht es auf der „See to Sky Route“ auf Whistler zu.

Noch bevor wir den Ort erreichen, sehen wir einen Hinweis zum Whistler Campground. Wir zweigen ab und in Serpentinen führt uns die Straße zu einem aussichtsreichen Stellplatz in luftiger Höhe. Doch auch hier geht immer wieder ein Regenschauer nieder und die Wolken verhüllen zum Teil die Berggipfel.
Bildergalerie von Vancouver zum Mt. Robson Provincial Park
Whistler Village, Whistler Mountain, Nairn Falls, Pemberton, Duffey Lake Road, 180 Tageskilometer 7. Juni 2010, Montag, sonnig, morgens 8°C, im Laufe des Tages auf 25 °C ansteigend
Bevor wir heute Morgen Whistler einen Besuch abstatten, fahren wir die Straße zum Olympic-Park hinauf. Unerwartet entdecke ich am rechten Fahrbahnrand einen Schwarzbären. Bis Norbert bremst, sind wir schon an dem Bären vorbei. Er muss ein Stück zurückfahren. Unsere Fotorucksäcke liegen noch im Schrank, und bis ich alles herausgeholt habe, verzieht sich der Bär bereits wieder ins Gebüsch. Leider kein Foto geschossen, aber am zweiten Tag bereits eine Bärensichtung, das ist toll.
Im Bereich des Olympischen Geländes werden Bauarbeiten bzw. Rückbauten durchgeführt. Die Straße ist abgesperrt und wir haben keine Chance, die olympischen Einrichtungen anzusehen. Auf gleicher Trasse geht es wieder hinab. Vorsichtig fahren wir den Berg hinunter und halten Ausschau nach dem Schwarzbären, doch dieser ist und bleibt im Dickicht verschwunden.
 Allerdings sehen wir zwei Mini-Streifen- hörnchen (Tamias minimus/Least Chipmunk) am Wegesrand sitzen, eins ist bei der Morgenwäsche und das Zweite bereits beim Frühstück. Emsig knabbert es an Tannenzapfen herum.
Als wir durch Whistler spazieren, zeigt sich die Sonne immer mehr. Doch das Thermometer zeigt nicht mehr als 8 °C an. Das autofreie Whistler Village ist sehr schön angelegt und es herrscht eine angenehme Atmosphäre. Hier könnte ich mir einen Winterurlaub sehr gut vorstellen. Gerne möchten wir mit der Seilbahn auf den Whistler Mountain (2.182 m), um die Aussicht vom Roundhouse Lodge Restaurant zu bewundern. Oben ist es laut Anzeige noch etwas kühler als im Ort. Wir beschließen zum Womi zurückzugehen, um uns wärmere Sachen und Wanderschuhe anzuziehen. Im Ort treffen wir auf viele Mountain-Biker. Es gibt einen Sessellift, der abwechselnd die Biker und dann ihre Räder hinauf befördert. Im Whistler Blackcomb Moutain Bike Park tummeln sich die Biker und kommen mit rasanter Geschwindigkeit den Berg hinunter. Unser Blick schweift immer wieder zu den Berggipfeln und plötzlich sind sie von dunklen Wolken verhüllt. Immer mehr Wolken schieben sich über dem Whistler Mountain und dem Blackcomb Peak zusammen, die beide mit einer Gondel verbunden sind. Wir warten noch eine Weile, beschließen dann aber weiterzufahren. Denn was macht es für einen Sinn mit einer Gondel nur durch Wolken zu fahren und keine Aussicht genießen zu können? Somit bleiben uns auch die schönen Wanderwege im Gipfelbereich verborgen.
Das nächste Ziel sind die Nairn Falls. Am Parkplatz beginnt der Wanderweg. Zwanzig Minuten später stehen wir vor dem Wasserfall und die Gischt weht zu uns herüber. Der Green River zwängt sich durch eine Felsrinne und stürzt mit lautem Getöse herab in einen Felsentopf.
Weiter, immer auf der Route 99, führt es uns auf Pemberton zu. Südlich von Pemberton liegt der One Mile Lake. Hier kann Kanu gefahren, gepicknickt oder geschwommen werden. Um den See wurde ein kleiner Rundweg angelegt. Der größte Teil des Weges führt über breite Holzstege. Atemberaubende Ausblicke über den See bis hin zu den schneebedeckten Bergen bieten sich uns. Die Sonne meint es nun richtig gut, es weht kaum ein Lüftchen und es ist richtig warm, mit Temperaturen um 25 °C. Wir umwandern den See im Uhrzeigersinn.
Am Ende des Rundgangs kommen wir durch einen Wald, der aus Pappelbäumen, Riesenlebensbäumen (red Cedar), rotem Hartriegel und amerikanischer Roterle besteht. Schön, dass wir hier angehalten haben, es hat sich gelohnt. Hinter Pemberton beginnt die Duffey Lake Road. Der Reiz dieser Gegend ist der dramatische Klimawechsel. Dies können wir heute hautnah erleben. Noch sind die Temperaturen mild, plötzlich beginnt es zu regnen, dann bricht die Sonne durch und der Asphalt dampft. Die Landschaft ist äußerst grün, überall wächst es üppig. Die Straße windet sich immer höher hinauf. Immer wieder passieren wir Wildbäche oder sehen die schäumenden Wassermassen tief unten im Tal. Dieser Straßenabschnitt ist grandios.
Wir überqueren den Cayoosh Pass. An den Straßenrändern und in den Wäldern sehen wir noch viele Schneereste. Dann haben wir den Joffre Lakes PP erreicht. Hier beginnt ein Wanderweg zu den drei Seen: dem Lower Joffre Lake, dem Middle Joffre Lake und zum Upper Joffre Lake. Der zweite und der dritte See sollen türkisblau sein und vor einer fantastischen Kulisse aus steilen, gletscherbedeckten Bergen liegen. Da müssen wir hin. Die Temperatur ist bis kurz vor den Gefrierpunkt gefallen. Wetterfest angezogen marschieren wir los. Schon am Beginn der Wanderung müssen wir über kleine Schneefelder stapfen. Danach geht es auf einem schmalen Weg am Lower Joffre Lake entlang. Der Pfad steigt an, wird nass und sumpfig. Dann stehen wir vor weiteren, größeren Schneefeldern, die passiert werden müssen. Hinauf und hinab geht es. Überall liegen umgefallene Bäume im Weg. Über einige können wir hinweg klettern, andere müssen weitläufig umgangen werden. Unter den Nächsten kriechen wir hindurch. Die Wanderung ist als leicht beschrieben, das trifft aber wohl nicht auf die jetzige Jahreszeit zu. Mittlerweile hat leichter Regen eingesetzt, doch das stört uns nicht weiter. Am Ende mit einer atemberaubenden Natur verwöhnt zu werden, treibt uns weiter voran. Wieder müssen wir uns durchs Dickicht schlagen und zwischendrin immer wieder Schneefelder, unter denen verfaulte Baumstämme liegen. Treten wir darauf, sacken wir sofort 20 – 30 Zentimeter ein. Die Wanderung wird zum Abenteuer. 3,5 km soll ein Weg sein, wir sind bereits eine Stunde unterwegs und kommen kaum vorwärts. Der Wald lichtet sich und der Weg sieht etwas freier aus. Doch nun setzt heftiger Regen ein. Wir stellen uns unter eine Tanne und warten ab. Es wird nicht besser. So schade es auch ist, aber hier brechen wir ab und kehren um, denn sonst laufen wir Gefahr, in die Dunkelheit zu geraten.
Auch die nächsten Kilometer unserer Route lassen uns immer wieder staunen. Eine atemberaubende Straßenführung führt uns durch eine faszinierend, grüne Landschaft und windet sich durch die Berge der Lillooet Range. Immer wieder queren wir einige Wildbäche, an dessen Ufern sich kleine Forst Campgrounds befinden. Auch die Sonne zeigt sich wieder und gleich sieht alles viel freundlicher aus. Am Duffel Lake gibt es einen unfreiwilligen Stopp. Ein Auto ist in den Graben gerutscht und muss geborgen werden. Die Straße ist in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Links führt eine Piste hinab zum Parkrund am Duffel Lake. Hier legen wir eine kleine Pause ein, klettern über die Baumstämme, die im Wasser liegen, und machen Fotos.
Als die Straße wieder frei ist, geht es weiter durch die herrliche Landschaft, bis wir den Seton Lake mit Badestrand und Picknickplatz erreichen. Hier erwartet uns eine grandiose Aussicht. Schräg gegenüber an einem Wildbach gibt es einen Naturcampingplatz, der von BC Hydra betrieben wird. Wir stehen fein in einem lichten Wäldchen mit der obligatorischen Picknickbank und verbringen den Abend bei angenehmen Temperaturen und Sonnenschein.
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von Lillooet (Hyw.99) über den Cariboo Hwy. zum Chasm PP, 100 Mile House und Bridge Lake, 303 Tageskilometer 8. Juni 2010, Dienstag, sonnig bis leicht bewölkt, bei 18°C
Unser erster Anlaufpunkt am frühen Morgen ist Lillooet. Das Städtchen erlebte seinen Höhepunkt während der Goldrauschzeit. Nachdem die Erzlagerstätten ausgeschöpft waren, erfuhr es rasch den Niedergang. Heute ist es ein heruntergekommenes Städtchen. Da sich dort ein deutscher Bäcker niedergelassen hat, ist es für uns Grund genug dieses Örtchen zu besuchen. Die Strecke zwischen Lillooet und Pavilion gehört eindeutig zu den schönsten Straßen Kanadas. Links von uns verlaufen tiefe Schluchten, in denen sich der Fazer River seinen Weg bahnt. Im Sommer ist es hier überwiegend heiß und trocken. Immer wieder beeindrucken uns die Ausblicke. Zum Glück gibt es zahlreiche Parkbuchten, die angesteuert werden können. In der kargen Berglandschaft liegt ein Hauch von Salbei in der Luft. Das Buschwerk an den Hängen besteht überwiegend aus Salbeibüschen. Hinter Pavilion ziehen sich am Fuße der Berge Wälder entlang. Ich entdecke oberhalb der Straße eine Braunbärenmama mit zwei Jungtieren. Als sie uns wittert, zieht sie sich in das Unterholz zurück, doch sie ist recht neugierig und reckt immer wieder ihren Kopf empor. Die beiden Kleinen sind im Buschwerk verschwunden. Einen Moment lang hab ich die Bärin aus den Augen verloren, doch dann taucht sie wieder auf. Sie läuft zu einer hohen Tanne und plötzlich kommt eines der Kleinen den Baum heruntergeklettert. Danach suchen sie das Weite. So eine Freude, gestern ein Schwarzbär und heute eine kleine Braunbärfamilie. Wir durchfahren die Kalksteinschlucht des Marble Canyon PP und legen an dem idyllisch gelegenen, tiefblau schimmernden Crown Lake einen Stopp zum Fotografieren ein.
Bald darauf erreichen wir die historische Hat Creek Ranch, bei der wir nur kurz anhalten. Seit Vancouver führt es uns über die Route 99, die nun hier endet. Wir biegen auf den Cariboo Hyw 97 ab, der uns weiter nach Norden führt.
Wir passieren Clinton und biegen kurz darauf ab in eine Stichstraße, die uns zum Chasm PP führt. Dieser trägt seinen Namen wegen einer spektakulären Erdspalte, die vor 10.000 Jahren am Ende der letzten Eiszeit vom Schmelzwasser der Gletscher geformt wurde. Dieser Canyon ist ca. 8 km lang, 600 m breit und hat 300 m hohe, gigantische Steilwände. Der einst reißende Fluss ist heute nur noch ein Rinnsaal. Deshalb haben Bäume und Pflanzen die Schlucht erobert. Oberhalb des Abgrunds genießen wir bei einer kurzen Wanderung die grandiose Aussicht in den Canyon. In dem weichen Boden entdecken wir Bärenabdrücke und an den Bäumen Kratzspuren. Zwischen den Bäumen knackt es verdächtig. D urch die Zweige erspähen wir ein Tier, es ist kein Bär, aber was ist es dann? Ein Elch oder ein Hirsch? Wir pirschen uns über einen kleinen Weg näher heran und sehen eine Herde Dickhornschafe am Wegesrand stehen. Näher und näher schleichen wir uns heran. Entweder sie bekommen von uns keine Witterung oder sie haben keine Angst. Ganz genüsslich äsen sie weiter. Viele schöne Fotos gelingen uns von den Tieren. Nun ist es an der Zeit, wieder aufzubrechen. Es geht zurück zum Cariboo Hyw. Bald haben wir 70 Mile House erreicht. Der Hyw. ist überwiegend vierspurig ausgebaut. und mit seiner Seenplatte ein beliebtes Revier für Angler. Die Straße führt über jede kleinste Kuppe, es ist eine recht hügelige, unbewohnte Landschaft. Die Zivilisation hat uns erst wieder, als wir 100 Mile House erreichen. Hier befindet sich die Versorgungszentrale für das Gebiet östlich des Cariboo Hwy’s. Wir suchen das Visitor Center auf, dann geht es ein paar Kilometer zurück zum Hwy. 24, der auch Fishing Highway genannt wird. Hier geht es wesentlich ruhiger zu. Kein Truck rast mehr mit Tempo 100 km/h den Hwy entlang. Die Straßenführung folgt den sanft ansteigenden Hügeln, die mit Kiefernwäldern bewachsen sind. Immer wieder blitzen kleine Seen durch die Bäume oder reichen bis an den Straßenrand. Bis zu 125 Seen sollen sich entlang dieser Straße befinden. Der zweitgrößte See, der Bridge Lake, ist heute Abend unser Ziel. Wir stehen auf dem Cottonwood Bay Resort oberhalb des Wassers mit einem wunderschönen Blick über den See. Dieser Platz wird von einem deutschen Ehepaar betrieben. Später unternehmen wir noch einen kleinen Abendspaziergang entlang des Sees und erleben einen zauberhaften, stimmungsvollen Abendhimmel, der wunderschön vom Wasser reflektiert wird.
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Clearwater, Wells Gray PP, 155 Tageskilometer 09. Juni 2010, Mittwoch, bewölkt und Regenschauer, 8 - 12°C
In den frühen Morgenstunden hat es angefangen zu regnen. Lustig tropft es auf das Wohnmobildach. Heute haben wir keine Eile. In aller Ruhe wird gefrühstückt und dabei beobachten wir die tanzenden Regentropfen über dem See. Erst gegen halb elf machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel ist heute der Wells Gray PP. Wir befahren den Hwy Nr. 5 und 30 km später stehen wir in Clearwater am Visitor-Center. Hier versorgen wir uns mit Informationsmaterial. Der 5400 km² große Park ist berühmt für seine vielfältigen Wasserfälle. Ab Clearwater führt eine 71 km lange Fahrstraße in den Park. Die ersten 46 Kilometer sind asphaltiert, danach beginnt eine recht gut befahrbare Gravelroad (Schotterstraße), zum Clearwater Lake. An der Clearwater Valley Road befinden sich inmitten der Einsamkeit alle paar Kilometer wunderschöne Abzweige zu Aussichtspunkten (Green Mountain Tower, Pyramid Mountain, Redspring, Deer Creek), Ausgangspunkte für herrliche Wanderungen (Placid Lake, Ray Farm, Alice Creek Bailey’s Chute) in die spektakuläre Natur oder zu den Wasserfällen (Spahat Falls, Moul Falls, Dawson Falls, Helmcken Falls). Fast zwei Stunden benötigen wir für die Fahrt bis zu unserem Endpunkt, dem Clearwater Lake Campground. Er ist schön in die Natur integriert und wir haben Aussicht auf den tosenden Clearwater River. Den ganzen Nachmittag regnet es weiter. Erst gegen Abend wird es etwas freundlicher und die Sonne lässt sich einige Zeit blicken. Wir unternehmen einen Spaziergang auf einem schmalen Pfad entlang des Sees. Durch die Nässe des Tages ist der Weg sehr rutschig und gebührt unsere ganze Aufmerksamkeit, sonst liegen wir im Wasser, brrrr. Nach einer halben Stunde hat uns der Regen eingeholt, das ist das Zeichen zum Umkehren. Da es uns zum größten Teil durch verwunschenen Wald führt, kommen wir nicht ganz so nass am Auto an. Nun hoffen wir auf morgen, dass eine Wetterbesserung eintrifft.
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Wells Gray PP, 44 Tageskilometer 10. Juni 2010, Donnerstag, heiter bis wolkig, Höchsttemperatur 16°C
Am Morgen prasselt es immer noch auf unser Wohnmobildach. Wir verlassen den Campground und fahren zu dem Parkplatz, wo unsere erste Wanderung beginnen soll. Da es immer noch regnet, verbringen wir den Morgen mit Kartenspielen und warten ab. Gegen halb elf wird es heller und es hört auf zu regnen. Schnell schlüpfen wir in unsere Wandersachen und begeben uns auf die Kurzwanderung zum Sticta Fall und zum Dragon’s Tongoue Lavafeld. Doch die blauen Stellen am Himmel sind schnell verschwunden und schon bevor wir den Sticta Fall erreichen, tröpfelt es wieder.
Der Weg vom Wasserfall zu den Lavafeldern führt durch ein Waldgebiet, somit kann uns der Regen nicht soviel anhaben. Da links und rechts des schmalen Pfades viele Farne und Büsche stehen, sind wir froh, heute mit Gamaschen losgewandert zu sein. Gut eine Stunde sind wir unterwegs, dann kommen wir wieder ans Womi. Den nächsten kurzen Stopp legen wir am Shadow Lake ein. Ein friedlicher See in absoluter Wildnis. Hier werden o ft Hirsche und Schwarzbären beobachtet. Wieder geht es einige Kilometer weiter bis zum Parkplatz Bailey’s Chute. Zuerst führt uns ein recht breiter Wanderweg zur Aussichtsterrasse Baily’s Chute. Tosend fließen die weiß schäumenden Wassermassen des Clearwater Lakes über die Stromschnellen. Nun verengt sich der Weg, führt hinauf und hinunter und wir wandern durch einen alten, urigen Wald. Begleitet werden wir die ganze Zeit von dem Rauschen des Flusses, trotzdem vernehmen wir im Wald oft ein Knacken. Wir sind auf der Hut und halten bei jedem Knacken im Gebüsch inne. Versteckt sich dort ein Bär oder ein Elch? Doch uns laufen immer nur kleine Eichhörnchen über den Weg, die hin–und herspringen oder auf einem moosbewachsenen Stein genüsslich kleine Tannenzapfen knabbern. Es geht hinunter und bald sind wir wieder auf Höhe des Flusses. Wir erreichen die Marcus Falls. Über eine breite Stufe donnert das schäumende Nass hinunter. Wir wandern weiter und erreichen einen kleinen Abzweig, der unsere Aufmerksamkeit weckt. Stapfen den Pfad entlang und vor uns öffnet sich ein kleiner Kiesstrand.
Angeschwemmte Baumstämme liegen verstreut dort herum. Diese sehen so einladend aus, dass wir eine kleine Pause machen. Mittlerweile zeigt sich auch die Sonne und es ist angenehm warm. Wir entdecken zwei Präriebussarde in der Luft und können sehen, dass einer einen Fisch in den Krallen hält. Mehrfach zieht er seine Kreise, bis er sich in einer abgestorbenen Tanne niederlässt. Von Weitem beobachten wir den Vogel.  Inzwischen fliegen mehrere Schwalbenchwänze über den Strand. Setzen sich auf die Kieselsteine, flattern eifrig und weiter geht das Fangenspielen. So schön es hier auch ist, wir müssen langsam wieder aufbrechen. Einige Flussbiegungen weiter erreichen wir den Myanth Fall.
Nun zieht der Weg einen weiten Bogen, führt durch einen urwaldähnlichen Wald. Der Wald lichtet sich und wir haben freien Blick auf den West Lake. Das Ufer ist mit riesigen grünen Pflanzen bewachsen und wir werden von Hunderten von Moskitos attackiert. Über einen kleinen Steg, der den See in zwei Hälften teilt, geht es weiter. Um uns herum summt und brummt es. Stehenbleiben können wir nicht, denn so sind wir das beste Angriffsziel für die Moskitos. Schnell verlassen wir dieses Gebiet, doch die Mücken begleiten uns weiterhin. Nach gut drei Stunden mit Pause und Fotostopps sind wir wieder am Wohnmobil. Noch sind wir nicht genug gewandert.  Einen Kilometer später geht es bereits wieder auf einen Parkplatz. Doch bevor wir den Parkplatz anfahren können, sehen wir am Straßenrand zwei Schwarzbären stehen. Es ist eine Bärenmama mit einem etwa einjährigen Jungen. Sie fressen am Straßengraben mit Hingabe Löwenzahnbüschel, die zur Lieblingsmahlzeit der Bären gehören. Kommt das Kleine der Mama beim Fressen zu Nahe, wird es weggejagt. Eine Weile beschäftigen sie sich mit dem Grünfutter, dann überqueren sie die Straße und verschwinden im Dickicht. Jetzt können wir auf den Parkplatz fahren. Von hier aus umrunden wir den Alice Lake. Uns ist etwas unwohl zumute, verstecken sich hier noch mehr Bären im Unterholz? Wir sind jetzt noch vorsichtiger. Auch an diesem See werden wir von Moskitos geplagt. Bleiben aber trotzdem stehen, da hier viele verschiedene Vogelarten beobachtet werden können . Anschließend steigt der Weg wieder an und durchquert einen urwüchsigen Wald. Kreuz und quer liegen die Baumstämme herum. Eine halbe Stunde geht es durchs Gehölz, dann biegen wir zur Mineralquelle ab. Hier fülle ich meine Wanderflasche und lass mir das kühle Nass später schmecken. Der weitere Verlauf der Wanderung führt uns durch sumpfiges Gelände. Über mehrere Holzstege und Brücken müssen wir gehen, um die morastigen Urwald-Passagen zu überwinden. Nachdem wir dies gemeistert haben, öffnet sich der Urwald und ein grünes Tal breitet sich vor uns aus. Wir hören es zwitschern, pfeifen, tschilpen, trällern und tirilieren. Einige uns unbekannte Vögel können wir in den Büschen erkennen, die anderen sind so flink und kaum zu sehen. Im leicht hügeligen, freien Gelände kommt plötzlich ein Fuchs auf uns zugerannt, kurz vor uns dreht er ab und verschwindet in Richtung Wald.
  
Hier befinden wir uns auf dem Gelände der ehemaligen Ray Farm. Einige Blockhütten der Farm sind noch heute erhalten. Norbert entdeckt einen Specht am Baum, der seine Kleinen füttert. Es wispert und fiept aus dem alten, hohlen Baumstamm. Nun dauert es nicht mehr lange und unser Rundwanderweg ist zu Ende. 
Der Wells Gray PP ist ein wunderbares Fleckchen Natur. Nur die Helmecken Falls wollen wir noch ansehen. Nachdem wir den Parkplatz verlassen haben und zwei Straßenbiegungen gemeistert haben, stehen vor uns plötzlich wieder zwei Schwarzbären am Straßenrand. Sie sehen den beiden anderen sehr ähnlich, wir sind der Meinung, es sind dieselben. Ganz nah können wir an die beiden heran und sie lassen sich bei ihrem Abendmahl absolut nicht von unserem Motorengeräusch stören. Einige Zeit beobachten wir die beiden, fotografieren und filmen sie. Vom Parkplatz bis zu den Helmecken Falls sind es nur einige Meter zu gehen, dann können wir den gigantischen Fall erleben. 
Unser Endziel ist heute das Wells Gray Golf Resort. Zu den Stellplätzen führt ein Schotterweg mitten über den Golfplatz. Die Rezeption liegt verlassen dort, doch es kommt gleich eine ältere Dame angelaufen, die uns herzlich begrüßt und alle Formalitäten erledigt.
Bildergalerie von Vancouver zum Mt. Robson Provincial Park
vom Wells Gray PP auf dem Yellowhead Hyw. über die Columbia Mountains bis nach Valemont, 284 Tageskilometer 11. Juni 2010, Freitag, strahlender Sonnenschein, bis 23 °C
Auch den heutigen Tag verbringen wir noch im Wells Gray PP. Nachdem das Womi mit allem versorgt ist, fahren wir die Straße wieder tiefer in den PP hinein. Noch bevor wir den Parkplatz der Dawson Falls erreichen, sehen wir am rechten Straßenrand wieder einen jungen Schwarzbären. Als wir jedoch anhalten, trottet er zurück in den Wald. Ihm ist heute nicht nach fotografiert werden zumute.  Weiter geht es zu den Dawson Falls. Vom Parkplatz ist es ein kurzer Fußweg, um die ansehnlichen Stromschnellen des Murtle Rivers zu sehen. Er zeichnet sich weniger durch seine Fallhöhe von ca. 16 m, als durch seine gigantische Breite von 91 m aus. Die tosenden Fälle werden auch „Klein-Niagara-Fälle“ genannt. Die Sonne scheint herrlich auf die weiß schäumende Masse und in der Gischt erscheint ein Regenbogen. Wir klettern an seinem Ufer entlang und finden immer wieder neue, tolle Fotomotive. Eine kleine Rast legen wir an der Blockhütte zum Majerus Farm Trail ein. Der Blick über den See ist fantastisch. Danach geht es in die Höhe. Wir erklimmen mit dem Womi die 3,6 km steile Serpentinenstraße zum Green Mountain Tower. Oben eröffnet sich uns vom Aussichtsturm eine grandiose Rundumsicht über die Wälder und Seen bis hin zu den verschneiten Bergen. Es ist überwältigend! Langsam geht es die Serpentinen wieder hinunter. Kurz vor der Parkstraße stellen wir das Womi ab und unternehmen eine Wanderung zum Placid Lake. Die erste Zeit marschieren wir durch alten, ursprünglichen Wald mit vielen umgestürzten und vermoderten Bäumen. Einige Bäume sind mitsamt Wurzelwerk umgestürzt und könnten gut als Bärenhöhle fungieren. Zwischendurch passieren wir immer wieder sehr sumpfige Stellen, die über Baumstämme oder Holzplanken überwunden werden müssen. Da es hier im Wald sehr feucht ist, sind die H olzbretter alle sehr rutschig. Riesige Farne stehen links und rechts der Planken. Hier sollen oft Elche beobachtet werden können, doch wir entdecken keinen. Nach einer Stunde haben wir den Placid Lake erreicht. Die Moose am Seeufer sind sehr nass und weich und vor unseren Schritten hüpfen dicke Frösche in das glasklare Wasser des Sees. Um uns herum ist nur Vogelgezwitscher, sonst herrscht absolute Stille. Der Wald des gegenüberliegenden Ufers und die Tupfenwolken spiegeln sich im Wasser. Wir sind eins mit der Wildnis Kanadas. Eine halbe Stunde verweilen wir an dem See, bis wir uns auf die Rückrunde begeben.
  Unterwegs schimpft ein kleines Eichhörnchen, ein Specht hämmert an einem abgestorbenen Baum und die Vögel zwitschern ganze Sonaten. Nach 2 ½ Stunden haben wir unsere Wanderung beendet.
Da heute so ein prächtiges Wetter ist und die Sonne hoch am Himmel steht, besuchen wir noch einmal die Helmecke Falls, die zu den viert-höchsten Wasserfällen Kanadas gehören. Hier stürzt der Murtle River 141 m tief in einen Canyon. Die hochspritzenden Gischtfahnen sind gigantisch, doch leider steht die Sonne noch nicht weit genug im Westen, dass uns ein Foto mit Regenbogen gelingt. Nun verlassen wir das Gebiet des Wells Grays PP, doch kurz vor Parkende gibt es noch einen sehenswerten Wasserfall, die Spahats Falls. Vom oberen Aussichtspunkt haben wir einen wundervollen Blick auf den Wasserfall, der 75 m tief durch vulkanisches Gestein nach unten donnert und eine herrliche, weite Aussicht in das Tal des Clearwater Rivers mit seinen mächtigen Zedern und Hemlocktannen. Nun verlassen wir endgültig die PP-Straße, durchfahren noch einmal Clearwater und der Hyw 5 führt uns durch die Columbia Mountains bis nach Valemont. Übernachtet wird auf dem iRVin’s Park & Campground. Dieser ist umgeben von mächtigen, schneebedeckten Bergen. Da wir auf dem Campground eine WLAN-Verbindung haben, werden heute Abend erst einmal ein paar E-Mails geschrieben. Fürs Anrufen in Deutschland ist es leider zu spät, das erledigen wir morgen Früh.
  
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Mt. Robson PP, Wanderung auf dem Berg Trail, 101 Tageskilometer 12. Juni 2010, Samstag, Sonnenschein, 28°C
Nach dem Frühstück wird über den Laptop erst einmal telefoniert, denn wir hatten die ganze letzte Woche über bis auf einige Minuten keinen Mobilfunk-Empfang. Da der Campground in der Nähe des Natursc hutzgebietes „Robert W. Starrat Wildlife Sanctuary“ liegt, gehen wir heute Morgen auf die Pirsch nach verschiedenen Vogelarten. Nach einigen Minuten erreichen wir den ersten Aussichtsturm, von dem aus wir das Tierleben studieren können. Nachdem wir einige Vögel mit dem Fernglas beobachtet haben, führt uns der weitere Weg über einen Damm durch das Sumpfgelände zum zweiten Aussichtsturm. Eigentlich sollen wir uns in diesem Gelände vor Mücken schützen, da heute Morgen aber ein frischer Wind weht, bleiben wir von den Plagegeistern verschont. Auch den zweiten Aussichtsturm steigen wir hinauf und haben nicht nur einen Blick auf die Tiere, sondern eine wunderschöne Aussicht auf die umliegenden Berge der Columbia-und Rocky Mountains. In Valemont wird kurz eingekauft, dann führt es uns weiter nach Norden. Bei dem tollen Wetter haben es uns die verschneiten Berge angetan.  Der Terry Fox muss unbedingt auf dem Foto festgehalten werden. Nach wenigen Kilometern stoßen wir auf den Hwy 16, der sich hier auch Yellowhead Highway nennt.
 Nun geht es in östliche Richtung zum Mt. Robson PP. Zuerst wird das Visitor-Center angefahren. Hier erhalten wir einige Informationen zu Wanderungen, die auch gleich in die Tat umgesetzt werden. Der Berg Trail ist der bekannteste und populärste Wanderweg im PP, ist jedoch 23 km lang und sehr steil. Da es bereits um die Mittagszeit ist, können wir ihn heute nicht mehr schaffen. Wir entschließen uns aber, den Beginn der Wanderung bis zum Kinney Lake in Angriff zu nehmen. Leicht steigt der Weg an, während wir durch einen Wald von jahrhundertealten Zedernbäumen wandern. Neben uns werden wir von dem wild tosenden Robsen River begleitet. Sein blaues Gletscherwasser schießt mit einer rasanten Geschwindigkeit zu Tal. Manchmal klettern wir zu dessen Ufer herab und bestaunen den wilden Fluss. Eine Vielzahl schöner Motive entdecken wir. Immer wieder zeigt sich der vergletscherte Mt. Robsen in seiner ganzen Pracht vor dem azurblauen Himmel. Nach gut 4 km kommen wir an eine Holzbrücke und gelangen an den Südzipfel des Kinney Lakes. Der blau schimmernde See liegt eingerahmt von den Bergen und bietet ebenfalls ein schönes Fotomotiv nach dem anderen. Es ist ein Genuss für die Augen. Am See machen wir eine kleine Pause, bevor wir die nächsten Serpentinen des Trails bergauf laufen.
Blicken wir von der Höhe auf den See, so erscheint er in einem fantastischen Blauton und es ist eine umwerfende Aussicht. Das ist Kanada, so wie wir es uns immer vorgestellt haben - ein Traum! Der Rückweg fasziniert uns ebenso, denn die Sonne lässt alles in einem herrlichen Licht erstrahlen. Nach gut drei Stunden sind wir wieder zurück und nehmen heute ganz viele tolle Eindrücke mit auf unsere nächsten Etappen. Es ist bereits 16:30 Uhr, aber für heute sind wir noch nicht genug gewandert.
Auf dem weiteren Weg liegt noch ein schöner Wasserfall, die Overlander Falls, zu dem ein kurzer Zickzackweg hinabführt. Auch hier gelingen uns noch schöne Fotos. Bis zu unserem Ziel für heute Abend, dem RV-Campground Lucerne sind es ca. 80 km. Wieder fahren wir durch die grandiose Landschaft Kanadas und machen unterwegs noch einige Fotostopps. Die Ausblicke sind so malerisch, da können wir nicht einfach vorbeifahren. Entlang des Moose Lake führt die Bahnstrecke der Nanadian Nat’I Railway. Uns kommt ein Zug entgegen, der so viele Waggons hat, dass er gar nicht enden will. Die Landschaft verändert sich und rechts und links der Straße ist sumpfiges Gebiet. Wir hoffen Elche zu entdecken, doch auch heute verstecken sie sich vor uns. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Campground Lucerne, der wieder ein Forst Campground ist.
 
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Jasper NP - “The Whistler”, Maligne Lake Road - Bootsfahrt auf dem Maligne Lake, 184 Tageskilometer 13. Juni 2010, Sonntag, sonnig bis heiter, 25°C
Heute soll das Wetter laut Vorhersage schlechter werden, deshalb machen wir uns vor schon vor 8 Uhr auf den Weg.  Nach wenigen Kilometern fahren wir am Yellowhead Lake vorbei. Der See ist spiegelglatt und die schneebedeckten Berge geben ein tolles Fotomotiv. Zum Glück gibt es einen Parkplatz, schnell anhalten und hinunter zum See. Ein wunderschöner Ausblick. Etwas später sieht Norbert unterhalb der Straße eine Elchkuh stehen, also anhalten und Fotos machen. Kurz darauf sehen wir unseren ersten Wapiti-Hirsch. Wir passieren den Yellowhead Pass (1146 m) und gleichfalls die Grenze zu Alberta. Nun muss die Uhr eine Stunde vorgestellt werden, denn es gilt nun die Mountain Time. In Jasper besuchen wir zuerst das Infocenter und bekommen viele Faltbroschüren zu dem Jasper National Park (NP). Um uns in den NP’s aufhalten zu dürfen, müssen wir einen NP-Pass erwerben. Wir kaufen den Jahrespass, denn wir werden uns einige Tage in den verschiedenen Parks aufhalten.
Das Wetter ist immer noch super und wir entschließen uns mit der Jasper Tramway auf „The Whistlers“ zu fahren. Die Talstation liegt auf 1304 m üN.N und die Seilbahn bringt uns 973 m hoch. Von der Bergstation haben wir schon eine fantastische Aussicht über die Rocky Mountains, doch es führt noch ein 1 km langer Weg hinauf zum Gipfelkreuz.  Auf dem einen Kilometer müssen wir noch einmal eine Höhendifferenz von 200 m überwinden. Über einige Schneefelder stapfen wir, um ganz nach oben zu gelangen. Der Wind pfeift uns ordentlich um die Nase, aber die Mühe lohnt sich und die Rundumsicht ist beachtlich. Zwei Stunden verbringen wir in luftiger Höhe und genießen die traumhafte Aussicht, dann geht es mit der Seilbahn wieder hinunter. Das nächste Ziel ist der Maligne Lake, der über gleichnamiger Straße erreicht wird und einer der Höhepunkte des Jasper NP ist. Achtundvierzig Kilometer durch eine malerische und abwechslungsreiche Landschaft windet sich die Maligne Lake Road, vorbei am türkisblauen Medicine Lake, der auf 1436 m Höhe liegt und von Gletschern gespeist wird. Aber nicht nur die Landschaft fasziniert uns, hier ist Wildlife pur. Zuerst sehen wir einen Wapiti-Hirsch, ein paar Meter später am Waldrand einen Schwarzbär, der sich aber schnell wieder zurückzieht. Es kommt noch besser - nach einigen Straßenwindungen fressen zwei kleine Schwarzbären an der Straßenböschung genüsslich Löwenzahn. Einige Minuten fotografieren und filmen wir die beiden, doch dann lassen wir sie wieder in Ruhe. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir den Maligne Lake. Auf dem See werden Bootstouren angeboten, die ca. 1 ½ Stunden dauern. Die Bootsfahrt führt an einer beeindruckenden Bergkulisse vorbei.  Auf Spirit Island, einem kleinen Inselchen, haben wir 15 Minuten Landgang. Es ist eine märchenhafte Bilderbuchlandschaft, wie die Sonne das blaue Wasser funkeln lässt und der See von den schneebedeckten und vergletscherten Bergen der Maligne und Queen Elisabeth Range eingerahmt wird. Über Spirit Island werden wir auf einem kurzen Rundweg geführt, der erst etwas ansteigt und dann am Seeufer zum Bootssteg zurückführt. Die Fotomotive sind grandios, doch leider versteckt sich genau zu diesem Zeitpunkt die Sonne hinter den Wolken und es fallen sogar ein paar Regentropfen. Es ist fatal, genau als das Boot ablegt, scheint die Sonne wieder. Nun geht es über die Wildlife Straße wieder auf Jasper zu und abermals machen wir Tierbeobachtungen.
 Wir sehen eine Herde Dallschafe (Ovis dalli/ Dall-Sheep) und Wapitikühe (Cervus elaphus/Elk). Die Dallschafe sind sehr struppig, da sie sich gerade im Fellwechsel befinden. Das war heute ein erlebnisreicher und grandioser Tag mit einigen schönen Lichtstimmungen. Übernachtet wird auf dem Whistlers Campground.
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Jasper PP - Maligne Lake Road, Medicine Lake, Maligne Canyon, Jasper, Athabasca Falls, Icefield Parkway, 171 Tageskilometer 14. Juni 2010, Montag, heiter mit sonnigen Abschnitten, 22°C
Da wir von der Maligne Lake Road gestern so begeistert waren und wir unbedingt noch an dem Maligne Canyon entlangwandern möchten, beginnt unsere Tour heute ganz früh am Morgen. Gleich nach ein paar Kilometern geht es ereignisreich los. Wir treffen auf einen Kojoten, der schnell am Waldrand entlang läuft. Geheuer sind wir ihm scheinbar nicht, er blickt kurz auf und besinnt sich darauf, sich lieber wieder im Wald zu verstecken.
 Einige Minuten später sehen wir einen äsenden Maultierhirsch (Mule Deer/Odocoileus hemionus), auch Großohrhirsch genannt. Damit noch nicht genug, an einem Berghang sitzt ein dicker Schwarzbär, er schaut nach links, dann nach rechts und entfernt sich in den Wald.  So viele tolle Erlebnisse am frühen Morgen. Beim Erreichen des Medicine Lake haben wir Glück, er ist spiegelglatt und gibt ein wunderschönes Fotomotiv ab. Danach startet unsere Canyon-Tour zu den bizarrsten Felsengebilden aus Kalksandstein. Der Canyon erreicht stellenweise eine Tiefe von mehr als 50 m. Der erste Teil ist ein schöner, aber steiler, mit vielen Stufen hinabführender Wanderweg mit vielen Aussichtsstellen in den tiefen Canyon. Mehrfach queren wir die Schlucht über Brücken, wo tief unter uns der Maligne River tobt und sich in der Tiefe sogar noch große Schneereste befinden. In dunkle Schluchten blicken wir und sind erstaunt, durch wie viele Wasserlöcher sich der Fluss durch die Engpässe presst. Über unzählige, glatt geschliffene Felsen sprudelt die schäumende Masse und donnert flussabwärts. Bald wird der Weg holpriger, auch hier oben am Rande der Schlucht müssen glatt geschliffene Felsen überwunden werden. Es ist nicht ganz ungefährlich. Hinter der 4. Brücke weitet sich die Schlucht und der Fluss gewinnt an Breite. Bis zur 5. Brücke, die eine Hängebrücke ist, wandern wir. Der Weg zur 6. und letzten Brücke ist nicht mehr so spektakulär.
Von Jasper aus kurven wir hinauf zum Patricia und Pyramid Lake. Beide Seen liegen in reizvoller Umgebung und wir sind wie verzaubert. Im Pyramid Lake liegt eine kleine idyllische Insel, die über eine Brücke zu erreichen ist. Ein Rundweg führt uns über die Insel und jeder Ausblick ist auf seine Art schön.  Zur Mittagszeit machen wir einen Bummel durch Jasper. Schlendern entlang der Einkaufsmeile und spazieren durch die Stadt, die ihren alten Charme behalten hat. An wunderschönen alten und auch neuen Häusern mit gepflegten Vorgärten kommen wir vorbei. Ein Städtchen mit Flair. Ein Steakrestaurant wird aufgesucht und wir Essen hervorragend (den Tipp bekamen wir von einem jungen Ehepaar aus Essen, die wir auf dem „The Whistler“ am Vortag kennengelernt haben- solltet ihr den Reisebericht lesen, meldet euch doch bei uns).  Nun geht es auf die größte Touristen-Rennstrecke der Rocky Mountains, den Icefield Parkway. Er beginnt in Jasper und endet nördlich vor Lake Louise. Diese Straße wird oft als schönste Gebirgsstraße Kanadas gelobt. Sie verläuft in etwa auf einer Höhe von 1500 m. Entlang der Route von 230 km wechseln sich unendlich breite Flusstäler, gewaltige Felswände, schnee- und gletscherbedeckte Berggipfel, aber auch einsame Seen ab. Nach einigen Kilometern biegen wir erst einmal auf die alte Straße, die 93 A ab, die parallel zum Icefield Parkway verläuft. Viele kleine Seen liegen entlang der Straße, die alle verdienen würden fotografiert zu werden. Ganz besonders hat es uns ein kleiner See angetan, der völlig grün schimmert. Wir nennen ihn für uns den „Green-See“.  Kurz bevor wir wieder auf den Icefield Parkway stoßen, liegen auf der rechten Seite die Athabasca Falls. Auf kurzen Wegen gelangen wir über Brücken zu verschiedenen Aussichtsstellen, von denen wir die donnernden Wassermassen erleben können. Die Fälle haben zwar nur eine Fallhöhe von 24 m, jedoch muss sich der Athabasca River durch einen sehr engen Canyon quälen. Auf der anderen Seite der Brücke führt eine Treppe zwischen der pittoresken Felsspalte hindurch. An dieser Stelle tobte vor vielen Jahrhunderten ein Teil des Wasserfalls. Der Wasserfall ist bei den Touristen sehr beliebt. Über die Treppe gehen allerdings nur noch ganz wenige und am Ufer des Athabasca River klettern wir ganz alleine umher. Hier unten ist der Fluss wieder zahm und fließt ruhig in seinem breiten Flussbett. Die Campgrounds, die wir uns für heute Abend ausgesucht haben, sind noch geschlossen, also geht es weiter in Richtung Banff. Ich bin ganz verzückt von der Landschaft und filme die Straßenführung, plötzlich ruft Norbert: “da links ein großer Schwarzbär!” Ich schwenke hinüber und habe ihn im Sucher. Er ist auch recht zügig unterwegs, macht nur einmal eine kurze Fresspause und weiter geht es. Bald ist er aus unserem Blickwinkel verschwunden. Läuft ein Wildtier entlang der Straße, entsteht gleich ein Stau. Alle Autos halten an und die Fotoapparate klicken fröhlich drauf los. An einem See mit Blick zum Mount Christie (3103m) wird heute noch ein letzter Fotostopp eingelegt, dann ist der Naturcampground Jonas Creek, der zum Glück angefahren werden kann, erreicht. Im Wald finden wir ein schönes Plätzchen für die Nacht. Kurz nach 21 Uhr sehe ich zwischen den Tannen die rot glühende Sonne hindurchblitzen, das verspricht einen schönen Abendhimmel. Rasch ziehen wir uns Jacken an und sprinten durch den Wald bis zu einem etwas erhöhten Standort. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen verschwunden, jedoch sind die Lichteffekte, die sie an den Himmel zaubert, wunderschön. Das war ein Abschluss des Tages, wie wir ihn uns wünschen.
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Jasper NP, Banff NP, Icefield Parkway, Columbia Icefield, 64 Tageskilometer 15. Juni 2010, Dienstag, tiefe Wolken, 2°C und Schnee, im Tagesverlauf heiter
In den frühen Morgenstunden höre ich Regen auf das Dach prasseln. Na prima! So hatten wir uns den Tag der vielen Highlights nicht gewünscht. Doch bald verstummen die Geräusche auf dem Dach, es hat wohl aufgehört zu regnen. Beim Frühstück trauen wir unseren Augen nicht, dicke Schneeflocken fallen durch die Tannen. Erst jetzt sehe ich auf das Thermomet er. Es zeigt 2 °C an! Kein Wunder, dass es auf ca. 1800 m Höhe, wo wir uns befinden, anfängt zu schneien. Trotzdem starten wir gegen 9 Uhr. Der Icefield Parkway macht seinem Namen heute alle Ehre. Immer wieder gehen heftige Schneeschauer nieder und von unserer Umgebung können wir nichts wahrnehmen, da die Berge in dicke Wolken gehüllt sind. Der Hwy. 93 steigt immer mehr an, der Asphalt dampft und wir fahren durch dicken Nebel. Schön angelegte Aussichtsparkplätze passieren wir, doch anhalten brauchen wir nicht. Die Hinweisschilder auf die zu sehenden Berge zeigen ins Nichts. Bald darauf erreichen wir das Icefield Center, ein modernes Gebäude mit einem grünen Dach, welches sich auf der linken Straßenseite befindet. Der Athabasca Gletscher, der zum Columbia Icefield gehört, ist nicht zu sehen. Deshalb fahren wir zuerst das Info-Center an. Informieren uns bei den Rangern über die Wettersituation. Diese versichern uns, dass es gegen Mittag aufklaren wird, wie lange ist aber ungewiss. Um uns die Zeit zu vertreiben, besuchen wir das kleine Museum, das im Untergeschoss eingerichtet ist. Hier erfahren wir einiges über die Geschichte der Nationalparks von Jasper und Banff und dessen Tier-und Pflanzenwelt. Außerdem bekommen wir viele Erklärungen über die Gletscher und ihre Entwicklung und einige Anschauungsbeispiele geboten. Es ist so interessant, dass wir kaum merken, wie schnell die Zeit vergangen ist. Als wir hinausschauen, sind wir erstaunt, dass sich mittlerweile ab und zu die Sonne zeigt. Mit dem Womi geht es ein paar Hundert Meter weiter bis auf den Parkplatz unterhalb des Athabasca Gletschers. Wir ziehen uns warm an, denn die Gletscher strahlen immer eine eisige Kälte aus. Auf dem Wanderweg zum Gletscherrand stehen Jahresmarkierungen, um den rapiden Rückzug des Gletschers von 1908 – 2000 anzuzeigen. Als wir den Gletscherrand erreichen, meint die Sonne es gut mit uns und lässt die meterhohen Abbruchkanten im Sonnenlicht leuchten. Es ist immer wieder gigantisch, dieses Naturschauspiel zu erleben. Auf dem Rückweg betrachte ich die alpine Pflanzenwelt mit den filigranen Blüten. Nach dem Gletscherbesuch, es ist bereits früher Nachmittag, fahren wir gleich zum Wilcox Creek Campground, der etwas erhöht im Wald liegt und uns eine tolle Aussicht auf die schneebedeckten bzw. vergletscherten Berge bietet. Ich schreibe viele, viele Postkarten, die ich morgen auf den Weg nach Europa schicken werde. Zwischendurch gehen immer wieder Schneeschauer nieder. Am Abend jedoch wird es freundlicher und das lässt auf morgen hoffen.
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Banff NP, Mistaya Canyon, Chephren Lake, Peyto Lake, Kicking Horse, Yoho NP, 160 Tageskilometer 16. Juni 2010, Mittwoch, sonnig, neblig, wolkig, Temperaturen von minus 1°C - 12°C
Heute Morgen lacht die Sonne, doch es ist -1 °C. Dies ist bisher die kälteste Nacht im Wohnmobil. Draußen auf der Picknickbank ist eine dicke Reifschicht. Bei so einem tollen Wetter wollen wir gleich nach dem Frühstück starten. Die Sonne lässt die schneebedeckten Berge goldgelb erstrahlen. Wir sind begeistert von den tollen Aussichten. Bei der nächsten Straßenbiegung sehen wir, wie die Wolken an den Bergen kleben und sich tief im Tal halten. Die Straße führt in Bögen hinunter und macht eine 180 °-Kurve. Plötzlich kommt eine dicke Nebelwand auf uns zu und wir stecken mitten in den Wolken. Wir fahren am North Saskatchewan entlang. Die Lichtstimmung ist gespenstisch, wir haben das Gefühl, wir befinden uns in einer schwarzweißen Welt.
Sechs Kilometer südlich von Saskatchewan River Crossing beginnt die Kurzwanderung zum Mistaya Canyon. Eine Brücke führt über den tief eingeschnittenen Canyon, wo unten der North Saskatchewan River sprudelt. Wir wechseln auf die andere Seite und klettern auf den Felsen umher. Leider kommt die Sonne nicht zum Vorschein, nur einige Bergspitzen recken sich aus den Wolken. Eine kurze Strecke müssen wir mit dem Womi zurücklegen, dann beginnt unsere Wanderung zum Chephren Lake. Gestartet wird am Nordufer des Waterfowl Lake. Zuerst gehen wir über zwei Brücken, dann führt uns der Waldweg steil bergauf. Ca. 150 Höhenmeter steigen wir bergan, dann wird es ebener. Wir wandern über einen feuchten Waldboden, der mit Wurzelwerk durchzogen ist. Richtig betrachtet besteht er mehr aus Wurzeln als aus Waldboden. Die Wurzeln sind sehr rutschig und teilweise mit Moos bewachsen. Nach gut einer halben Stunde kommen wir an eine Weggabelung, der Holzpflock mit der Aufschrift Chephren zeigt nach rechts. Wir schwenken ab und weiter geht es über knorrig, glattes Wurzelwerk. Schnell kommen wir hier nicht voran. Zwischendurch sind sumpfige Stellen zu überwinden, entweder müssen wir uns einen W eg durchs Dickicht suchen oder es liegen Baumstämme über den feuchten Stellen. Da sich in diesem Gebiet viele Elche aufhalten sollen, halten wir nach allen Seiten Ausschau und lauschen, ob wir Knackgeräusche vernehmen. Durch die dicken T annen sehen wir eine sumpfige Lichtung. Wir stapfen an den Waldrand und suchen die Gegend ab - kein Elch ist zu entdecken. Doch es ist ein Tummelplatz für Vögel. Eine ganze Weile verbringen wir damit, die verschiedensten Vögel zu fotografieren, dann geht es weiter in Richtung Chephren Lake. Nach 2 ¼ Stunden haben wir das Ufer erreicht. Ich sehe in einer hohen Hemlocktanne etwas Weißes leuchten, kann es aber nicht deuten. Plötzlich erhebt sich ein großer Weißkopfseeadler. Mit seinen kräftigen Schwingen gewinnt er schnell an Höhe, und bevor unsere Fotoapparate einsatzbereit sind, ist er am Horizont verschwunden. Wir streifen am Ufer entlang und blicken auf das kristallklare Wasser, durch das jedes kleinste Steinchen schimmert. Nachdem wir die tolle Aussicht, leider immer noch ohne Sonne, in uns aufgesaugt haben, machen wir uns auf den Rückweg. Auf dem schmalen Pfad läuft uns ein Tannenhuhn (Spruce Grouce/Falcipennis canadensis) über den Weg. Es ist sehr interessiert an uns und beäugt uns ganz genau. Für die 7 km haben wir mit vielen Fotopausen 3 ¾ Stunden benötigt. Auf dem Hwy 93 löst eine schöne Stelle die andere ab.
Unser nächster größerer Stopp ist am Peyto Lake, eines der beliebtesten Fotomotive der Rocky Mountains. Vom Parkplatz gehen wir ca. 1 km bis zu einer Holzplattform mit der ultimativen Sicht über den Peyto Lake mit seinem Schwemmkegel. Am Wegesrand liegt noch viel Schnee, nur ein schmaler Streifen des Weges ist begehbar. Über den Weg wuseln die Columbia-Ziesel (Columbian Ground Squirrel/Spermophilus columbianus), die zur Gattung der Erdhörnchen gehören. Stetig geht es bergan, bis der Blick auf den türkisblau schimmernden See fällt. Der Anblick ist überwältigend und wir sind sprachlos. So eine Farbe von Wasser haben wir noch nicht gesehen. Der See inmitten des Bergpanoramas ist ein Traum. Ganz schwer können wir uns von dem Anblick lösen.
Doch ein paar Kilometer weiter ruft schon der nächste See, der Bow Lake. Wir parken bei der Num-Ti-Jah-Lodge. Hier hat das Wasser eine ganz andere blaue Färbung und ist glasklar. Über dem Ufer schwirren große Schwärme Mücken. Es ist ein wunderschön angelegtes Areal, lädt zum Verweilen und Spazieren ein, doch bei dieser Mückenplage verzichten wir darauf. Wir befahren den Icefield Parkway weiter in südlicher Richtung, bis wir an der Abzweigung auf den Hyw #1 abbiegen, der uns in den Yoho NP bringt. Yoho stammt aus der Sprache der Cree-Indianer und bedeutet soviel wie „sehen, staunen, Ehrfurcht und Wunder“. Er ist mit seiner Größe von 1.313 qm² einer der kleineren Nationalparks von British Columbia, aber ein Juwel. Viele seiner 28 Bergriesen ragen über 3000 m in den Himmel und das Gebiet ist ein Wanderparadies. Auf dem Hyw #1 fahren wir mitten durch den NP mit seiner atemberaubenden, hinreißenden Landschaft. Überqueren den Kicking Horse Pass, der gleichzeitig Wasserscheide ist. Alle westlichen Flüsse fließen in den Pazifik, alle Flüsse östlich in den Atlantik oder zur Hudson Bay. Bald darauf folgt der Hinweis auf den Lower Spiral Tunnel. Bedingt durch das extreme Gefälle/Steigung des Kicking Horse Passes, entgleisten oft Waggons der kanadis chen Güterzüge, da diese äußerst lang sind. Es wurden zwei spiralförmige Tunnel angelegt. Somit verringert sich das Gefälle/die Steigung auf 2,2 %. Die Tunnel führen in einem weiten Bogen von 228° und 288° durch die Berge. Ein Pfeifen kündigt einen Güterzug an und wir beobachten dieses Schauspiel von der Viewpoint Aussichtsplattform am Trans Canadian Highway (TCH). Als die Lok aus dem oberen Tunnelende herauskommt, ist das Ende des Zuges noch lange nicht in den Tunneleingang hineingefahren. Die Länge dieser Züge ist schon gigantisch, wir schätzen ihn auf ca. 1,3 km. Auch die Straße hat starkes Gefälle, bis sie den Talgrund erreicht.
 An der Abzweigung zu den Takakkaw Falls biegen wir rechts ab, gelangen nach einigen Hundert Metern zum Kicking Horse Campground. Auch hier wuseln die Columbian Ground Squirrel umher, machen Männchen, lugen aus ihren Erdhöhlen oder huschen in Windeseile von Baum zu Baum. So kommt für uns keine Langeweile auf.
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Yoho Valley, Emerald Lake, Natural Bridge, Field, Lake Louise, 59 Tageskilometer 17. Juni 2010, Donnerstag, tagsüber recht trüb, um die 12°C, abends Wetterbesserung
Heute lassen wir es langsam angehen. Vom Kicking Horse Campground bis zum Emerald Lake ist es nicht weit. Wir biegen ab auf die Emerald Lake Road, die uns ca. 9 km durch einen dichten Wald des Yoho Valleys führt. Es besteht eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h, da es ein wildtierreiches Gebiet ist. Vom Parkplatz aus bietet sich uns schon ein fantastischer Ausblick. Auch dieser See schimmert in Türkisblau und die Berge spiegeln sich wunderschön im Wasser. Gerne würden wir Kanu fahren , doch die Temperatur von 9 °C hält uns davon ab. Um warm zu werden, nehmen wir den Rundkurs um den See, der 5,2 km ist. Idyllisch und friedlich liegt der See da und vom Uferweg auf der Westseite bieten sich uns ständig neue, faszinierende Aussichten. Bis auf kleine Kreise, die von springenden Fischen verursacht werden, ist die Wasseroberfläche spiegelglatt. Über dem See schwirren kleine Vögel hin und her, sie sind flink wie unsere Schwalben, es sind jedoch Kron-Waldsänger (Yellow-rumped-Warbler/Dendroica coronata). An der Nordseite des Sees führt der Weg durchs Schwemmland, das aus Erosionsmaterial des Gletschers stammt. Der vom Wasser herantransportierte Schlick wird hier teilweise abgelagert und bildet dieses fächerartige Schwemmland, durch das der Zufluss in verschiedene Wasserläufe fließt. Genau hier machen wir auf einer Bank Rast, denn es ist ein Kleinod für Vögel und für uns ein geeigneter Ort sie zu fotografieren. Da uns der Weg um den See zu einfach ist, schwenken wir ab und begeben uns auf die Wanderung zum „Emerald Lake Basin“.
   Der Einstieg beginnt recht harmlos. Auf breitem steinigem   Weg geht es seicht bergan. Rechts hören wir das Rauschen des Flusses. Am Rande des lichten Nadelwaldes stehen viele kleine alpine Pflänzchen, die natürlich fotografiert werden. Nach zehn Minuten verengt sich der Weg, wird zum schmalen Pfad mit Wurzelstufen und steigt steil an. Zwanzig Minuten geht es durch den Nadelwald immer nur bergauf. Mittlerweile sind wir so hoch gestiegen, dass wir in eine Schlucht hinab blicken. Nach einigen Wurzelpassagen geht es über Steine und Felsen weiter. Mal laufen wir durch tiefsten Urwald, in dem viele morsche Bäume umgestürzt sind und kreuz und quer auf dem Waldboden liegen. Die Felsen sind mit Moosen bewachsen und überall wachsen Farne und große, grünblättrige Pflanzen. Dann lichtet sich der Wald und wir gehen durch einen Krüppelwald mit überdimensional großem Buschwerk, dass über unseren Köpfen ein Dach bildet. Aber immer noch steigt der Weg an, nur zweimal geht es ein paar Meter bergab, gleich darauf wieder in die Höhe. Wir erreichen eine steinige Passage und laufen kurz darauf wieder durch ein Dickicht. An den Seiten stehen große, dornige Pflanzen. Vorsicht ist hier geboten. Unter ihnen wachsen kleine Blümchen in den verschiedensten Farben. Es leuchtet gelb, lila, pink oder weiß.
Wir erreichen das steinige Esmeralda Basin. Queren einige kleine und größere Wasserläufe und steigen über ausgetrocknete Flussbecken weiter hinauf, bis zu einigen Schneefeldern, unter denen das Gletscherwasser hindurchrauscht. Blicken auf einige Wasserfälle, die an den gigantischen, steilen Felswänden hinunter donnern. Obwohl es eine karge Landschaft ist, die uns hier oben erwartet, ist es doch überwältigend. Auch hier huschen die kleinen Squirrel umher, manche sind nicht einmal 10 cm groß. Wir suchen die Steilhänge mit dem Fernglas nach Tieren ab, können aber nirgendwo welche entdecken. Nun geht es den Berg wieder hinunter bis zum Emerald Lake und die Seeumrundung wird fortgesetzt. Fast vier Stunden haben wir für die Gesamtstrecke von 8,1 km mit Fotopausen benötigt. Es war eine anstrengende Wanderung in die zauberhafte Bergwelt Kanadas.
Noch ein Highlight steht auf dem Programm, die Natural Bridge. Das wild fließende, eisblaue Gletscherwasser des Kicking Horse River hat mit Kraft ein Loch in die Felsbarriere gegraben. So ist dieses Naturphänomen, eine pittoreske Felsenbrücke, in Jahrtausenden geschliffen und geformt worden. Es ist ein Erlebnis zu sehen, wie das eisblaue Wasser unter der Brücke hindurch rauscht.  Das nächste Ziel ist das kleine Örtchen Field, das malerisch inmitten des Yoho NP’s und einer spektakulären Bergwelt liegt. Seine Existenz verdankt Field der Canadian Pacific Railway, die Ende des 18. Jahrhundert Unterkünfte für die Arbeiter des Eisenbahnbaus errichtete. Heute hat Field ca. 250 Einwohner, nette kleine Geschäfte, ein Postamt, kleine Restaurants, eine Schule und wunderschöne alte Häuser mit gepflegten und hübsch bepflanzten Vorgärten. Eben noch in British Columbia, überfahren wir wieder die Grenze zu Alberta. Heute klingt der Tag auf dem Lake Louise Campground aus, der direkt an den Bow River angrenzt. Es ist ein riesiges Areal mit großzügigen Stellplätzen und einem schönen Wanderweg entlang des Flusses.
Bildergalerie Banff & Yoho National Park
Banff NP, Lake Louise, Lake Agnes, 70 Tageskilometer 18. Juni 2010, Freitag, wechselnd bewölkt bis heiter, maximal 15°C
Schon vor dem Besucherstrom sind wir am berühmten Lake Louise, der auf 1731 m liegt, mit dem bekannten First Class Hotel Lake Louise Château. Es sind heute Morgen 5 °C und die roten Kanus liegen noch alle am Bootshaus. Als Erstes nehmen wir uns die Wanderung zum „Fairview Lookout“ vor. Auch dieser Weg ist sehr schmal und steigt unentwegt in die Höhe, bis wir nach 1,6 km das Aussichtsplateau erreichen. Es ist ein Phänomen, am frühen Morgen sind die Seen immer spiegelglatt und uns gelingen die besten Fotos. Wir blicken auf das türkisfarbene Wasser, welches durch das Steinmehl, dass durch die Gletscherschmelze in den See gespült wird, seine Färbung erhält. An der rechten Uferseite spiegelt sich das Hotel, an der linken Seite der majestätische Gipfel des Mount Victoria (3464m) im Wasser. Eine atemberaubende Aussicht, erst recht bei dem schönen Sonnenschein. Vom Viewpoint führt der Weg als Rundweg wieder zurück zum Hotel. Bedingt durch die frühe Jahreszeit ist er als gefährlich eingestuft und es wird abgeraten, ihn zu begehen. Da wir in diesem Urlaub schon einige schwierige Passagen gemeistert haben, ist uns nicht bange. Nach etwa 100 m eröffnet sich uns wieder ein traumhafter Blick über den See, dann geht es über ein Geröllfeld bergab. Im Zickzack verläuft der Weg und nach der dritten Kurve stehen wir vor einem Lawinenabgang. Dieser muss überquert werden. Vorsichtig setzen wir unsere Schritte vorwärts und erreichen den weiterführenden Weg. Die nächsten Spitzkehren sind sehr steinig und ausgetreten und bald stehen wir wieder vor dem Schneefeld. Abermals müssen wir es queren. Nun geht es nicht mehr ganz so steil hinab zum Seeufer. Wir folgen dem Pfad bis zum Ufer, hier haben wir wieder wunderschöne Postkartenmotive vor Augen. Der Rundweg ist 3,4 km lang. Nun schlendern wir durch die Gärten des Hotels, bevor wir die zweite Wanderung zum Agnes-Teahouse am Lake Agnes in Angriff nehmen. Mittlerweile hat sich die Sonne wieder hinter den Wolken versteckt und lugt nur noch ganz selten hervor. Der breite Wanderweg beginnt direkt am See und bringt uns nach 3,4 km zum Teahouse, das auf einer Höhe von 2.134 m liegt. Wir haben eine Höhendifferenz von 385 m zu bewältigen. Der Weg hat es schon in sich. Gut einen Kilometer vor dem Teahouse passieren wir den kleinen Mirror Lake. Wir vernehmen schon das Rauschen des Wasserfalls, doch sehen können wir ihn von hier noch nicht. Der Weg führt allerdings 800 m später direkt am Wasserfall vorbei. Nun müssen wir noch zwei große Treppen erklimmen, dann stehen wir oberhalb des Wasserfalls am Lake Agnes . Zu unserem Erstaunen ist er noch fast komplett zugefroren. Eine grandiose Kulisse tut sich vor uns auf. Idyllisch fügt sich das Teahouse in das Gesamtbild, was ist es hier oben schön! Wir lassen uns eine Tasse heiße Schokolade und einen Applecrumble schmecken. An der Ostseite gehen wir auf schmalem Pfad etwas oberhalb des Sees entlang, bis wir zu einem Felsenmeer kommen.
 Plötzlich sehe ich ein Murmeltier auf einem Felsen sitzen. Es tut so als merke es uns nicht, doch es hält in seiner Bewegung inne. Als wir jedoch näher kommen, ist es ihm nicht ganz geheuer und es kriecht in eine Felsenhöhle. Die Lichtverhältnisse sind so gut, dass wir von unserem Standpunkt genau in die Höhle hineinschauen können. Das Murmeltier reckt sich und sondiert die Lage und schwups, springt es heraus. Langsam wandert es von Felsen zu Felsen, bleibt sitzen, schaut sich um und marschiert weiter. Ganz behutsam schleichen wir ihm hinterher, denn wir möchten es nicht erschrecken. Doch über die Felsen ist das kleine Tier eindeutig im Vorteil. Wir lassen es ziehen und schauen ihm eine Weile hinterher, dann klettern auch wir weiter bis zu einem Felsplateau. Genießen von hier den Blick über den zugefrorenen See bis zu den verschiedenen Bergen der Rocky Mountains in der Ferne. Mit den Augen suchen wir die Berghänge ab, ob wir irgendwo Bergziegen aufspüren können. Doch es ist nichts zu sehen und auch nichts zu hören. Nur hin und wieder ein leises Pfeifen und Fiepen, was wohl von den Murmeltieren kommt. Vom Plateau kraxeln wir noch höher hinauf, genießen das fantastische Panorama der Rocky Mountains, bevor wir uns auf den Rückweg begeben. Nach etwas mehr als vier Stunden stehen wir wieder am Womi. Für heute haben wir genug getan, erst am Morgen die 3,4 km und nun noch einmal gute 8 km dazu. Der Parkplatz ist bis auf den letzten Platz belegt und ein Womi-Fahrer freut sich riesig, dass wir abfahren.
Bevor wir zu unserem Campground in Lake Louise zurückfahren, werden in der Samson Mall unsere Vorräte wieder aufgefüllt, danach ist das Womi dran, es wird mit Gas und Benzin betankt und so sind wir morgen Früh sofort abfahrbereit.
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Banff NP - Moraine Lake, Consolation Lakes, Banff, Vermillion Lakes, Bow River Parkway, 147 Tageskilometer 19. Juni 2010, Samstag, morgens blauer Himmel bei 5°C, mittags Bewölkungszunahme, aber 22°C, ab nachmittags bis abends heiter, um 18°C
Auch heute Morgen ist es nur 5 °C warm, aber die Sonne scheint. Also geht es früh zum Moraine Lake. Die Moraine Lake Road schlängelt sich 12 km durch einen dichten Wald. Die Geschwindigkeit ist auf 50 km/h begrenzt. Kurz bevor wir an den See kommen, lichtet sich der Wald und wir haben einen atemberaubenden Ausblick in das „Valley of ten peaks“. Wir blicken in ein weites Tal, eingerahmt von einer schroffen Bergwelt, dessen Gipfel noch schneebedeckt sind. Auch einige Gletscher mit meterhohen Abbruchkanten können wir sehen. Das ist ein Anblick, den wir so schnell nicht wieder vergessen werden. Weiter geht’s zum Parkplatz, der aufgrund der frühen Stunde noch leer ist. Mit Fotoausrüstung geht es zum See. Wieder stehen wir staunend da, eine Bilderbuchkulisse bietet sich uns. Die Sonne leuchtet auf das türkisblaue Wasser, scheint auf die schneebedeckten Berge und die sich ergebenden Spiegelungen sind wunderschön. An der linken Seeseite ist eine hohe Steinmoräne, hier hinauf führen Treppen, die aus Steinstufen bestehen, der Weg nennt sich Rockpile Trail.  Oben auf der Moräne sind mehrere Aussichtspunkte angelegt, von denen wir einen 360°-Blick haben. Unten am See waren wir ja schon begeistert, aber hier oben ist die Aussicht auf das türkisblaue Wasser des Moraine Lakes noch viel schöner. Die Spiegelung der Berge im Wasser ist zauberhaft, aber auch der Blick in die Runde ist grandios. Staunend und regungslos stehen wir da. Ein kleiner amerikanischer Pfeifhase (Ochotona princeps - American Pika) genießt mit uns das Panorama. Am Fuße der Steinmoräne beginnt eine Wanderung zu den Consolation Lakes. Ein großes Schild weißt uns darauf hin, dass sich in diesem Gebiet viele Schwarzbären sowie Grizzlys aufhalten. Heute hole ich zum ersten Mal mein Bärenglöckchen aus dem Rücksack und befestige es an der Außenseite. Da es noch so früh am Morgen ist, sind außer uns noch keine Wanderer unterwegs. Uns ist etwas seltsam zumute. Die Wanderung beginnt über ein Geröllfeld mit kurzen Schneepassagen. Danach geht es durch dichten Nadelwald. Zuerst begleitet uns ein rauschender Bach, doch schnell steigt der Weg an und entfernt sich vom Wasser. Ganz genau inspizieren wir den Waldboden und die Schneefelder, die immer mal wieder zu durchstapfe n sind, ob dort frische Bärenabdrücke zu sehen sind. Auch das Unterholz wird ganz genau untersucht. Bei jedem lauten Knacken bleiben wir stehen und suchen die Gegend ab. Nach fast einer Stunde lichtet sich der Wald auf der linken Seite. Ein Wiesenstück führt zum breiten Fluss, der der Ablauf des Sees ist. Bald hört der Wald auch an der rechten Seite auf, das Wiesenstück ist von vielen Wasserläufen durchzogen und wir müssen von Büschel zu Büschel springen. Dann wird es stei niger. In den Wasserläufen, die breiter werden, liegen kleinere Steine, die uns den Weg übers Wasser erleichtern. Bis wir an den Rand des Sees gelangen, müssen wir über dicke Felsbrocken klettern. Was ist es hier doch schön! Blicken wir über den See, sehen wir die bizarren Berge mit ihren vergletscherten Bergspitzen, darunter riesige Geröllfelder, die teilweise mit großen Schneefeldern bedeckt sind. Das sind Fragmente von Lawinenabgängen. Schauen wir in die andere Richtung, wirkt die Landschaft fast lieblich - der Fluss mit seinem begrünten Ufern, der Wald und in weiter Ferne die schneebedeckten Berge. Wir setzen uns gemütlich auf einen großen Felsbrocken und machen fast eine Stunde Pause. Immer wieder hören wir ein Donnern und Grollen in den Bergen und sehen einige Lawinenabgänge. Einige rauschen wie Wasserfälle zu Tal, andere rutschen in den Felsspalten hinunter. Es ist eine großartige Kulisse. Jeden Tag werden wir wieder neu überrascht. Was ist Kanada doch für ein fantastisches Land. Auf dem Rückweg ist es nicht mehr so einsam, einige mutige Wanderer kommen uns entgegen. Obwohl es eigentlich nur eine kurze Wanderung von 5,4 km ist, waren wir fast drei Stunden unterwegs. Nun geht es nach Lake Louise zurück, dort machen wir einen kurzen Abstecher zum Lake Louise Ski Resort, das unterhalb des Whitehorn Mountain liegt. Obwohl noch nicht Hochsaison ist, sind die Gondelbahn und der Sessellift in Betrieb. Für uns geht e s nicht auf den Gipfel, sondern in südwestliche Richtung weiter, wir fahren über den Hyw 1 A. Dieser begleitet uns durch das Bow Valley. Am Beginn des Bow Valley Parkway, der auf 60 km/h begrenzt ist, finden wir eine große Informationstafel mit allen interessanten Sehenswürdigkeiten, Aussichtspunkten und Tierinformationen.
Schon bald haben wir die Moran Curve erreicht. Unten im Tal fließt der Bow River und an seinem Ufer schlängelt sich die Eisenbahnlinie vorbei und alles wieder einmal vor einer einmaligen Bergkulisse. Wir haben Glück und nach 10 Minuten kommt ein Zug herangerauscht. Die Länge der Züge ist hier unbeschreiblich. Einige erreichen mehr als einen Kilometer. Viele Fotostopps werden an der Strecke noch gemacht. Besonders schön ist der Blick auf den Bow River, mit dem zerklüfteten Castle Mountain im Hintergrund, der einem Schloss ähneln soll, uns allerdings mehr an die Dolomiten erinnert . Kurz vor Banff erkunden wir die Vermillion Lakes, ein Sumpfgebiet am Bow River, das durch Überschwemmungen entstanden ist.
Die drei Seen sind ein wahres Vogel-paradies. Es ist ein ausgezeichneter Ort für Tierbeobachtungen.
 Wir sehen Kanadareih er (Ardea herodias- Great Blue Heron) in dem flachen Wasser stehen und zwischen den Binsen flattern viele Vögel hin und her oder sie sitzen auf den Kolben und zwitschern ihre Lieder. Auch Weißkopfseeadler und Fischadler halten sich hier auf. In dem sumpfigen Gewässer liegen einige abgestorbene Baumstämme, also auch ein Revier für B iber. Wir lassen die großartige Kulisse auf uns wirken. In der Ferne grüßt der schneebedeckte Mt. Rundle (2949m), der Hausberg von Banff, zu uns herüber. Rechts schließt sich die bewaldete Bergkette der Sulphur Mountains (2451m) an. Anschließend geht es über den Bow River Valley Parkway zurück bis zum Johnston Canyon Campground.
Wir stehen mit dem Womi im Wald, jedoch in Flussnähe. Am Abend spazieren wir am Fluss entlang und genießen die letzen Sonnenstrahlen des Tages.
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Banff NP - Johnston Canyon, Banff, Paint Pots, 172 Tageskilometer 20. Juni 2010, Sonntag, vereinzelte Wolken und ein kräftiger Schauer, 4 – 25°C
Ein traumhafter Sommermorgen, strahlend blauer Himmel, bei 4 °C. Da unser Campingplatz direkt schräg gegenüber des Johnson Canyon liegt, beginnen wir schon um 8:45 Uhr unsere erste Tour des Tages.
Vom Parkplatz spazieren wir über eine Brücke, dann schlängelt sich der Weg entlang der Felsen. Noch steht die Sonne nicht so hoch, dass sie in den Canyon scheint, daher ist es sehr feucht und kühl. Es geht über asphaltierte Wege oder über schmale Stege, die an den Felswänden befestigt sind und unter denen das eisblaue Wasser fließt. Nach einem Kilometer gehen wir ein paar Stufen hinab zum „Lower Falls“. Dieser hat eine Fallhöhe von zehn Metern. Möchten wir dem Fall ganz nah kommen, müssen wir über eine Brücke gehen und auf der anderen Seite durch ein Felsenloch hindurchkriechen. Hier stehen wir in der Gischt des Wasserfalls. Von dem Sprühnebel sind wir fast wie geduscht. Schnell schlüpfen wir wieder durch den Felsentunnel.
Um die „Upper Falls“ zu erreichen, führt der Weg nun steiler bergan. Nach insgesamt 2,7 km stehen wir am Fuße der 30 m hohen Wasserfälle. Es ist ein fantastischer Anblick. Ein paar Stufen führen uns zum oberen Rand und wir sind begeistert. Die Sonne steht so günstig, dass uns tolle Fotos mit einem doppelten Regenbogen gelingen. Gut, dass wir diese Wanderung nicht schon am gestrigen Abend gemacht haben, dann hätten wir nicht so ausgezeichnete Lichtverhältnisse gehabt.  Zur Mittagszeit unternehmen wir in Banff bei sommerlichen Temperaturen von 25 °C einen kleinen Stadtbummel über die Banff Ave. Viele Restaurants, Geschäfte, Cafes und das Visitor Center liegen entlang der Straße. Der Ort befindet sich auf einer Höhe von 1463 m, in einer zauberhaften Umgebung mit Blick auf den 2997 m hohen Cascade Mountain. Der Ort platzt in diesen Tagen aus allen Nähten, da das Banff Nationalpark Bike Fest stattfindet. Vier Tage lang fahren die Radfahrer durch den Banff National Park und durch die Straßen von Banff. Es werden fünf anspruchsvolle Straßenrennen und zwei familienfreundliche Veranstaltungen durchgeführt. Deshalb sind im Ort einige Straßen gesperrt und ein Zieleinlauf abgesteckt. Uns ist es hier zu voll, schnell weiter zum Lake Minnewanka, dem größten See des Banff NP’s, und zum Two Jack Lake, die außerhalb von Banff liegen. Hier überrascht uns allerdings ein dicker Regenschauer, der in Hagel übergeht. Die Ringstraße, die an den beiden Seen vorbeiführt, ist wieder besonders wildre ich. Auf der Runde sehen wir eine Herde Dallschafe (Dall Sheeps) einige Dickhornschafe (Ovis canadensis/Bighorn Sheeps) und Wapitis (Cervus elaphus/Elks). Vom Regen vertrieben, nehmen wir die Abzweigung zum Johnson Lake. Wir sind überrascht, dass die Straße hier trocken ist und es überhaupt nicht geregnet hat. Der Himmel ist blau mit ein paar weißen Wölkchen, fotogen liegt der See vor uns. Am Ufer entdecken wir die Grauwasseramsel (Cincus mexicanus/American Dipper). Zwei Vögel turnen auf den Steinen herum, picken an Baumstämmen, die ins Wasser ragen und tauchen ins Wasser, um nach Fressbarem zu suchen.
 Ein Jungtier sitzt auf einem Stein und wartet auf seine Eltern. Bald kommen sie angeflogen und füttern das Tier. Wir spazieren weiter am Ufer entlang, es ist ein Idyll für Vögel und genauso interessant für uns Menschen. Nach einer Weile kehren wir um, da wir heute noch den Kootenay NP erreichen möchten. Wir nehmen in Banff nicht den Hwy #1, sondern wieder die wildnisreiche Parallelstrecke 1 A. Auch hier steht heute Abend eine Herde Dallschafe, drei Muttertiere mit ihren Jungen sind auch dabei. Einige Kilometer später äst ein Wapitihirsch am Straßenrand und eine Wapitikuh versteckt sich im Birkenwald. Erst bei Castle Mountain verlassen wir den Hwy 1 A und wechseln zur 93 hinüber. Hier hat im Jahr 1968 ein Waldbrand gewütet und 24 km² Wald sind ihm zum Opfer gefallen. Richtig gespenstisch sehen die Berghänge aus. Immer noch stehen hier viele verkohlte Baumstämme, an den Straßenrändern wachsen allerdings schon wieder kleine Tannen nach.  Bald passieren wir die Provinzgrenze von Alberta nach British Columbia. Hier beginnt der Kootenay NP und gleichzeitig die „Continental Divide“, die eine Wasserscheide zwischen Banff und Kootenay ist. Alle Flüsse von Alberta fließen zum Atlantik, alle Flüsse von British Columbia zum Pazifik. Der NP beheimatet viele Wildtiere, wie z. B. den Grizzly, den Schwarzbär, Wölfe, Pumas, Kojoten und Bergziegen . Einen kleinen Abstecher zu den Paints Pots machen wir heute noch. Ein kurzer Trail führt uns zu den ockerfarbenen Wassertümpeln. Diese sogenannten Farbtöpfe kommen zustande, weil eisenhaltiges Quellwasser auf dem Weg nach oben durch mehrere Tonschichten fließt. Der ockerfarbene Lehm wurde früher gebacken und zu Pulver zermahlen. Die Einheimischen vermengten ihn mit Fischöl oder Tierfett und nutzten ihn zur Körperbemalung. Auch die Tipis, Kleidung oder Felsen wurden damit gefärbt oder bemalt. Später wurde er zur Farbgewinnung mit Maschinen abgebaut, die heute teilweise noch verlassen dort herumstehen.
 Heute Abend fahren wir den Campground McLeod Meadows an, der am Kootenay River liegt. Gegen 21 Uhr sehen wir eine schöne Himmelsfärbung. Mit Foto- ausrüstung spazieren wir direkt zum Ufer, suchen uns ein geeignetes Fleckchen zum Fotografieren und bewundern den Abendhimmel bei angenehmen 20 °C.
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Bildergalerie Kootenay, Glacier- und Revelstoke National Park
Kootenay NP - Bärensichtung, Glacier NP - Balu Pass, 290 Tageskilometer 21. Juni 2010, Montag, sonnig bis leichte Bewölkung, morgens 5°C, mittags sommerliche 31°C
 Auf dem Hyw #93, auch Windermere Highway oder Kootenay Parkway genannt, fahren wir mitten durch den NP. Überqueren den Sinclair Pass (1486m) und schon folgt ein kurzer Stopp bei dem Olive Lake. Der See ist kristallklar, schillert grünlich und es steigen permanent kleine Luftblasen aus dem Grund auf. Es wurde eine Aussichtsplattform angelegt, um die Bachforellen, die sich im See tummeln, zu beobachten. Auf den nächsten Kilometern werden wir durch ein Leuchtschild darauf aufmerksam gemacht, dass sich einige Bären im Park befinden. Bald schon sehen wir links der Straße eine Bärin mit zwei Kleinen. Sofort wird angehalten. Die beiden Kleinen laufen durchs hohe Gras und sind bald dara uf verschwunden. Die Bärenmama lässt sich durch nichts vom Fressen abbringen. Ab und zu hebt sie den Kopf, blickt zurück zu ihren Jungen und frisst weiter. Eine halbe Stunde beobachten wir sie, dann geht sie den Hang hinauf und verschwindet auf der anderen Seite Wir bleiben noch etwas stehen und siehe da, sie erscheint wieder, um den saftigen, grünen Löwenzahn zu fressen. Manchmal legt sie sich hin, frisst dabei allerdings weiter, streckt sich, frisst und steht wieder auf. Dies wiederholt sich einige Male. Plötzlich sieht Norbert die beiden kleinen Bären in einem Baum herumturnen. Es scheint eine wackelige Angelegenheit, einer rutscht etwas ab und überlegt sich, doch lieber wieder hinunter zu klettern. Schade, nun sehen wir die beiden nicht mehr. Die Mama steht immer noch diesseits des Hüg els und frisst. Was schaut denn da über den Hügel? Es ist ein kleines Bärenköpfchen. Es klettert auf unsere Seite und auch das Zweite lässt sich blicken. Eines der beiden schlägt kleine Purzelbäume, das andere fängt an, an Grashalmen zu knabbern. Manchmal necken sich die beiden, dann wird wieder gefressen. Das alles interessiert die Bärenmama überhaupt nicht. Sie schaut nur mal kurz hoch, alle beiden Kleinen noch da und weiter geht die Fressorgie. Auf einmal hält sie die Nase in den Wind. Hat sie Witterung von uns bekommen und zieht sich mit ihren Kleinen zurück? Nein, sie wendet sich wieder dem saftigem Grün zu. Es ist allerliebst den Dreien zuzusehen, doch dann gönnen wir ihnen ihre Ruhe und fahren davon. Nach nicht ganz drei Kilometern stehen auf einer großen Wiese drei Bärenjunge mit ihrer Mama. Sie sind allerdings nicht mehr so klein, und schon mindestens ein, vielleicht auch zwei Jahre alt. Ihnen sieht man den Winter noch an. Sie sehen sehr abgemagert aus. Auch diese Vier lassen sich von den vorbeifahrenden Autos nicht aus der Ruhe bringen. Wir machen nur schnell ein paar Fotos und fahren weiter. Radium Hot Springs lassen wir aus. Bei diesem traumhaften Wetter möchten wir gerne die Wanderung durch den Sinclair Canyon machen, doch dieser ist heute gesperrt, da an den Felsen der obenliegenden Straße Arbeiten durchgeführt werden. So biegen wir gleich auf den Hyw. #95 ab und fahren bis Golden. Diese Strecke hat einen ganz anderen Charakter, das Tal ist wesentlich breiter. Auf der linken Seite führt die Eisenbahnstrecke vorbei und dahinter befinden sich immer wieder große sumpfige Flächen, die Berge sind in den Hintergrund gerückt. Auf der rechten Seite sind große Wiesen und Felder, die bewässert werden und auch hier sind die Berge recht weit entfernt.
Das nächste Ziel ist der Glacier NP. Am Roger Pass befindet sich das Infocenter. Wir erkundigen uns nach besonder s schönen Wanderungen in diesem Gebiet und bekommen sofort die Tour zum Balu Pass empfohlen. Viele der anderen Touren sind zurzeit noch nicht begehbar, da im letzten Herbst, kurz bevor der Schnee kam, ein Orkan die Wälder verwüstet hat. Die Bäume liegen kreuz und quer über den Wegen und es ist zu gefährlich diese Touren zu gehen.
Der empfohlene Trail startet direkt am Info-Center, hat eine Höhendifferenz von 788 m und ist 10 km lang. Da wir nun wieder Pacific Time haben, ist uns quasi eine Stunde geschenkt worden, es ist nun 14:45 Uhr. Da das Wetter heute so sommerlich ist, meint die nette Dame, dass wir die Wanderung noch gut machen können. Also nichts wie los. Wanderschuhe an, Fotorucksäcke geschnappt und der Spaß kann beginnen. Der Weg beginnt, wie wir es hier schon gewohnt sind, in steilen Serpentinen, die, wie mir scheint, heute bei diesen Temperaturen nicht enden wollen. Danach geht es kurz bergab, dann wird der Weg so schmal, dass wir nur hintereinander hergehen können. Meist geht es hinauf, nur wenn ein Flusslauf zu überqueren ist, geht es einige Meter hinunter. Dabei haben wir tolle Ausblicke ins Tal. Die Sonne scheint ohne Gnade, es ist eine schweißtreibende Tour. Ganz selten haben wir vom Hang, an dem sich der Pfad entlang schängelt, etwas Schatten. Wir kommen in den alpinen Bereich, es wird steiniger und es gibt kaum noch Bäume. Einige Male überqueren wir auf Holzbrücken (ohne Geländer) die reißenden Gebirgsflüsse. Nach der nächsten Biegung sehen wir drei große Wasserfälle, die von der Sonne angestrahlt werden, ins Tal stürzen. Die beiden rechten vereinen sich und stürzen mit aller Macht ins Tal. Weiter ziehen wir bergan, langsam erreichen wir die ersten Schneefelder. Gehen an deren Rändern entlang und steigen höher. Große Geröllfelder sind um uns herum, auf denen viele Murmeltiere sitzen. Einige Meter klettern wir noch höher, hier weht uns ein kalter Wind entgegen, der durch die schneebedeckte Schneise pfeift. Hier soll für uns heute der Umkehrpunkt sein. Nach 3 ¼ Stunden sind wir wieder am Womi. Es war wirklich eine grandiose Tour mit fantastischen Ausblicken, aber eine anstrengende dazu. Auch die Campgrounds in dieser Gegend sind aus zuvor genannten Gründen noch nicht geöffnet, so müssen wir weiter zum Revelstoke NP fahren. Diese Gegend ist vom Orkan weitgehendst verschont geblieben. Wir übernachten auf einem kleinen privaten Campground in fußläufiger Umgebung von Revelstoke.
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Revelstoke NP - Revelstoke Staudamm, Skunk Cabbage, Giant Cedar Trail, Meadows in the Sky Parkway, 237 Tageskilometer 22. Juni 2010, Dienstag, von bewölkt bis sonnig, den ganzen Tag um die 18°C
 Nördlich von Revelstoke liegt der Revelstoke Staudamm. Der Columbia River wird auf einer Länge von 120 km zur Energiegewinnung aufgestaut. Das Kraftwerk, welches auch besichtigt werden kann, wurde 1984 fertiggestellt. Heute ist es das größte und modernste Wasserkraftwerk Nordamerikas. Gerne hätten wir an einer Führung teilgenommen, doch dafür sind wir über eine Stunde zu früh. Also geht es wieder hinaus in die Natur. Zurück zum Hwy #1, dann in östliche Richtung zum Skunk Cabbage (Stinktier-Kohl) Bordwalk.  Der 1,2 km lange Wanderweg führt über einen Holzbohlensteg durch ein Sumpfgebiet, mit der besonder en Pflanzenart, dem Stinktier-Kohl, der viele Insekten anzieht. Viele verschiedene Vogelarten, Biber und Bisamratten sind hier beheimatet. Es muss allerdings genau hingeguckt werden, denn die Vögel sind in den Sträuchern und Bäumen gut getarnt.
Weiter geht es zum Giant Cedar Trail. Hier kann ebenfalls auf Holzbohlen durch einen unheimlichen Wald aus Riesenzedern gewandert werden. Die ältesten Exemplare sind weit über 600 Jahre alt und haben einen riesigen Umfang. Riesenfarne überwuchern den Waldboden und durch das Unterholz fließen mehrere Wasserläufe. Nach einem Rundgang durch den schummerigen Wald geht es zum Meadows in the Sky Parkway. Schon am Beginn, bei der Mautstelle, werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir die Straße nur bis Kilometer 20 befahren können. Dort ist wegen einiger Schneefelder eine Sperre errichtet. Auf enger, kurviger Straße fahren wir durch drei unterschiedliche Wachstumszonen. Je höher wir kommen, desto herrliche r wird die Fernsicht. Dann ist die Straße plötzlich verbarrikadiert. Da ich so gerne zum Balsam Lake möchte, der sich auf 1500 m Höhe befindet, wandern wir mit Fotoausrüstung die Straße entlang. Zu diesem Zeitpunkt hoffe ich noch, auch den Gipfelbereich in 1938 m Höhe zu erreichen, denn vom kleinen See führt ein zwei Kilometer langer, aber leichter Wanderweg hinauf in die baumlose und felsige Zone. Dies erweist sich aber bald als Irrtum, denn der Schnee gibt uns keine Chance den Gipfel zu erreichen. So kehren wir unverrichteter Dinge wieder um. Diese Wanderung hat uns fast drei Stunden Zeit gekostet und die grandiose Aussicht blieb uns leider verwehrt.
Nun verlassen wir den Revelstoke NP. Die Straße nach Süden verläuft zunächst hoch über dem sich langsam zum Upper Arrow Lake erweiternden Columbia River, bis zur Fährstation Shelter Bay. Eigentlich verkehrt diese Fähre immer zur vollen Stunde, doch heute ist es anders. Bereits um 16:45 Uhr sind wir an Bord und im herrlichen Sonnenschein geht es hinüber. Wir fühlen uns, als wären wir auf einem norwegischen Fjord. Ungefähr 60 km geht es nun am Upper Lake entlang bis zu unserem super Übernachtungsplatz Mc Donalds Creek am Arrow Lake. Direkt hinter dem Womi geht es hinunter zum Sandstrand. Heute lassen wir den Abend am See mit einem Gläschen Rotwein ausklingen und genießen den zauberhaften Abendhimmel.
 
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durch die Monashee Mountains und das Okanagan Valley, 574 Tageskilometer 23. Juni 2010, Mittwoch, heiter bis sonnig, 15 – 34°C
Heute müssen wir unseren tollen Übernachtungsplatz am Arrow Lake verlassen - schade! Gerne würden wir hier am See mit dem schönen Sandstrand direkt vor dem Wohnmobil mehr Zeit ve rbringen, doch leider sind die Urlaubstage gezählt. Bald stehen wir vor der Fähre in Fauquier, wieder haben wir Glück und können sofort auf die Fähre fahren. Die Überfahrt dauert nur fünf Minuten und ist wieder kostenlos. Das Besondere an dieser Fähre ist, dass sie per Seil ans andere Ufer gezogen wird. An jeder Schiffsseite sind große Rollen befestigt, über die jeweils Seile geführt werden, ein drittes läuft mitten unter dem Schiff entlang. Schon bald rollen wir in Needles bereits wieder von Bord. Nun geht es auf schaukeliger und kurvenreicher Straße durch das Waldgebiet der Monashee Mountains. Wir erreichen Vernon, das am nördlichen Ende des Okanagan-Tal liegt. Hier verläuft die Weinroute und es gibt sehr viele Obstplantagen. Die meisten allerdings sind Kirschbäume. Überall werden die Kirschen angeboten, zum Teil können sie auf den Plantagen auch selbst gepflückt werden. Am Vaseux Lake zeigt ein Hinweisschild auf einen Wildlife Rundgang hin. Ein Plankenweg führt zu einem Beobachtungsturm am See. Wir hören es aus dem Schilf und Gebüsch trällern und schnattern, doch kein Vogel lässt sich bei der Hitze heute sehen. Bald verändert sich das Landschaftsbild. Hinter Penticton durchfahren wir ein karges, wüstenähnliches Gebiet. Die Vegetation besteht aus Salbeibüschen, die ihren Duft verströmen und aus Feigenpflanzen. Der nächste Ort ist Osoyoos. Der kleine Ort an dem gleichnamigen See, liegt gleichzeitig in einer Wüstentasche, die zur mexikanischen Sonora Wüste gehört. Hier erinnert das Klima mehr an den Südwesten der USA als an Kanada, es ist wüstenähnlich, jedoch kühlt es sich abends stark ab. Seit 1998 wurde hier ein Desert Center errichtet, um einen Teil dieser sogenannten kalten Wüste zu erhalten. Denn das meiste Land wird von den Farmern künstlich bewässert und landwirtschaftlich bestellt. Wir bekommen eine i nteressante, fast 90minütige Führung und erfahren einiges über diese Art von Wüste und deren Bewohner. Danach führt uns die Straße knapp an der Grenze zu den USA entlang und wir haben noch einmal einen schönen Ausblick auf Osoyoos und das Tal. Immer noch fahren wir auf der Weinroute, bis es wieder waldreicher wird und wir den Manning PP erreichen. Etwas abseits von der Hauptroute liegt der Lightning Lake. Hier gibt es einen schönen Campground, den wir heute Abend anfahren. Es ist wieder ein Provincial Waldcampground. Wir bekommen einen schönen Stellplatz zugewiesen und sind in wenigen Minuten unten am See. Hier werden wir allerdings von Mücken befallen und machen uns schleunigst wieder auf den Weg zum Womi.
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Vancouver Island - Victoria, 296 Tageskilometer 24. Juni 2010, Donnerstag, heiter bis sonnig, 10 – 24°C
Ein kleiner Rundgang im Sonnenschein, nach dem Frühstück am Lightning Lake, dann geht es in luftige Höhen. Serpentine für Serpentine geht es hinauf zum Cascade Lookout. Unseren Übernachtungsplatz am Lightning Lake können wir gut erkennen.
  Ein kurzer Stopp wird bei den Rhododendron Flats eingelegt. Bei einem Rund- gang können wir riesige Rhododendron-Büsche bewundern.
Jetzt geht es zur Fähre nach Tsawwassen, die uns nach Vancouver Island hinüber bringt. Auf der Autobahn leuchtet eine Anzeige, die uns mitteilt, dass die nächste Fähre erst zu 72 % belegt ist. Über einen Damm, der durchs Schwemmland führt, gelangen wir nun zum Anleger. In dem niedrigen Wasser stehen um die 50 Reiher. Ein Weißkopfseeadler schraubt sich in die Luft, davon aufgeschreckt flattern auch die Reiher aufgeregt umher.
Ku rz vor 14 Uhr stehen wir am Ticket-Schalter, bekommen unsere Fahrkarten ausgedruckt, dann geht es in den Bauch der Fähre. Wir sind gerade auf dem Sonnendeck angekommen, da legt das Schiff bereits ab. Hier ist strahlendblauer Himmel und so bleiben wir bei der Überfahrt, die 1 Std. 35 Min. dauert, draußen an Deck. Die Fähre steuert um viele Schären, Seezeichen und kleine Leuchttürme herum, jeden Moment eine andere Aussicht, bevor sie in Swartz Bay anlegt. Um einen Felsen, auf dem ein Leuchtturm steht, schwimmen ein paar Seehunde herum, andere liegen faul in der Sonne. Einige Minuten bevor die Fähre anlegt, ist erst das Autodeck geöffnet. Wir stehen auf Deck zwei neben den großen Trucks. Diese verlassen als erste das Schiff, dann sind die Womis an der Reihe. Vom Anleger sind es noch 51 Kilometer bis zum Campground WestBay Marina in Victoria. Bei immer noch schönem Wetter erreichen wir den Platz, essen eine Kleinigkeit und machen uns gleich auf den Weg nach Downtown. Ein schöner Steg-Wanderweg führt uns am Hafen entlang nach Viktoria. Viktoria ist nicht nur die Hauptstadt der Insel, sondern sogar Hauptstadt der Provinz British Columbia. Über drei Stunden schlendern wir umher und erleben das quirlige Leben. Viele Künstler, Gaukler und Musiker führen ihre Kunststücke am Inner Harbour vor. Es ist die Flaniermeile und Treffpunkt für Jung und Alt. Von hier fliegen die Wasserflugzeuge nach Vancouver und Seattle. Auch die Whale Watching Trips werden von hier angeboten.
 Direkt gegenüber liegt das wohl bekannteste Gebäude Viktorias, das efeuumrankte Fairmont Empress Hotel. Nur wenige Schritte weiter und wir stehen vor dem imposanten Parlamentsgebäude. Viktoria kann auch per Kutsche oder Rikscha erkundet werden, doch wir gehen zu Fuß weiter.
Schlendern zum Fisherman’s Wharf. An den Stegen liegen ausgefallene, aber ansprechende Hausboote, manche sind winzig klein, andere sind zweigeschossig. Auffällig ist, dass der Baustil der Landhäuser sowie die Parks sehr von England geprägt wurden. Durch die Fußgängerzone gehen wir zurück ins Geschäftsviertel mit den vielen bunten Läden und dem großen Bay Centre. Überqueren den Bastian Square, wo es nette kleine Restaurants und einige Kneipen mit abendlicher Livemusik gibt. Über die Johnston St. Bridge verlassen wir Downtown und spazieren zurück nach Westbay.
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Bildergalerie Vancouver Island
Vancouver Island - Butchart Garden, von Sooke nach Port Renfrew, Botanical Beach, 244 Tageskilometer 25. Juni 2010, Freitag, sonnig, nachmittags ziehen Wolken auf, bei 16°C
Heute möchten wir die wohl bekannteste aller Attraktionen Victorias besuchen, die Butchart Gardens. Die Gärten, die ursprünglich als Hobby angelegt worden waren, wurden ständig erweitert. Mittlerweile erstreckt sich der Park über mehr als 22 Hektar. Er öffnet um 9 Uhr seine Pforten und wir sind mit bei den ersten Besuchern. Geschickt werden wir auf einem Rundweg durch das Gelände geführt. Wir beginnen im versunkenen Garten, mit spektakulärem Aussichtspunkt über die Blumenbeete, einem See mit Uferweg, sowie die blühenden Bäume und Sträucher. Gehen an dem Ross Brunnen vorbei, der durch sein wechselndes Fontänenspiel einen wunderbaren Anblick bietet. Kommen bald an zwei Totempole und erreichen den Konzertrasen, wo im Sommer an den Wochenenden atemberaubende Feuerwerke bewundert werden können. Entlang des Dalienwegs gelangen wir in den Rosengarten. Rosenstock neben Rosenstock in den herrlichsten Farben, mit riesigen Blüten, wie ich sie noch nicht gesehen habe und überall verbreitet sich ein angenehmer Rosenduft. Der Pfad führt uns durch eine offene Pergola, deren Bögen von Kletter- und Laubrosen bedeckt sind.
Danach schreiten wir durch das japanische Torri Tor, gehen entlang eines Wasserlaufs und mehrfach über kleine Brücken. Verlassen den japanischen Garten und kommen zum Sternenteich, hinter dem der italienische Garten beginnt. Der ganze Park ist eine Augenweide und alle blühenden Pflanzen sind überdimensional groß. Das Farbspiel der verschiedenen Blumenarten ist traumhaft. Ich meine, diese Attraktion ist wirklich ein Muss. Mit so vielen farbenprächtigen Eindrücken geht es für uns weiter. Wir umfahren Victoria im weiten Bogen und nehmen die Küstenstraße über Sooke nach Port Renfrew.
 Die Strände an der Westküste sind naturbelassen, viele angeschwemmte Baumstämme und Wurzeln säumen den Strand. Hier darf geklettert werden. Unser erster Strand liegt im French Beach PP. Vom Pazifik bläst uns ein heftiger Wind entgegen. Wir halten Ausschau nach Walen, doch auf dem recht rauen Meer mit seinen Schaumkrönchen können wir keinen Blas erkennen. Atemberaubende Ausblicke bieten sich uns.
Der zweite Stopp wird am China Beach eingelegt. Die Zufahrt zum Parkplatz führt uns bereits durch dichten Regenwald. Auch der Weg zum Strand führt uns fast 15 Minuten durch den Regenwald, bis er sich lichtet und wir zum Strand hinunter können. Da zurzeit Ebbe ist, können wir in den Tidepools nach Meerestieren suchen. Wir entdecken die verschiedensten Muscheln sowie Seeigel und Seeanemonen. An diesen Stränden soll es auch Seehunde geben, doch zurzeit scheinen sie sich wohl im Wasser zu tummeln. An den Klippen und auf dem Strand sehen wir keine.
Nach einer guten Stunde wandern wir durch den Regenwald wieder hinauf zu dem Parkplatz. Die Küstenstraße entpuppt sich als wellige, huckelige, schmale Straße. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei 25 km/h. Ein schnelles Vorwärtskommen ist hier nicht möglich. Wir durchqueren Port Renfrew und fahren noch einige Kilometer, bis wir den Botanical Beach im Juan de Fuca PP erreichen.
Auch hier liegt der Parkplatz gut einen Kilometer vom Strand entfernt. Es ist ein Rundwanderweg angelegt worden, bei dem wir zuerst zur Botanical Bay kommen und danach zu zwei weiteren Stränden. Der Trail hat eine Länge von 2,7 km. Trotz der späten Stunde, es ist bereits nach 18 Uhr, möchten wir uns dieses idyllische Fleckchen nicht entgehen lassen. Auf und ab geht es durch Wald und Gebüsch, bis sich vor uns der fantastische Anblick der Botanical Bay öffnet. Wir steigen hinab und klettern zu den Felsen wieder hinauf. Von der Spitze aus können wir auf den Strand hinter der Landzunge blicken.
Wieder geht es durch den Regenwald zum S trand, auf dem felsigen Grund wachsen natürliche Bonsais. Dies ist dadurch bedingt, dass die Pflanzen sehr wenig Nährstoffe und Wasser erhalten und ständig dem heftigen Wind ausgesetzt sind. Der Rundweg führt uns zu einem dritten Strandabschnitt. Hier können wir auf glattem Stein bis zur Wassergrenze gelangen, müssen allerdings die Tidepools, mit de n Algen bewachsenen Steine umgehen, denn diese sind rutschig wie Schmierseife.
 Auch hier entdecken wir einige Minikrebse und kleine Fische in den Tidebecken. Bald ist Zeit für den Rückweg. Kurz vor 20 Uhr sind wir am Womi.
Die Straße bis zum Cowichan Lake soll eine schlechte Schotterstraße sein. Wir machen uns auf einiges gefasst, werden aber dann von einer recht breiten, geteerten Straße überrascht. An mehreren Stellen geht es über kleine Flussläufe, hier wird die Straße immer einspurig. Die Brücken und Kurven sind jedoch gut überschaubar und somit kein Problem. Wie auf einer Alpen-Passstraße geht es im Geschlängel immer höher. An den Straßenrändern wächst ein Meer von Ginsterbüschen. Landschaftlich ist es eine reizvolle Strecke, bis wir das Flusstal des Cowichan River erreichen. Auf dem Stolz Pool Campground ist für uns Endstation.
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Vancouver Island - Duncan, BC Forest Discovery Centre, Chemainus, Englishmann River PP, MacMillian PP, 230 Tageskilometer 26. Juni 2010, Samstag, heiter, um die 20°C
  Von unserem Übernachtungsplatz ist es nicht mehr weit bis Duncan. Dies ist die Stadt der Totem. Bei einem kleinen Spaziergang durch die Stadt führen uns gelbe Fußabdrücke als Markierungslinie auf einen Rundkurs zu den 41 Totempfählen.
Einige Kilometer hinter Duncan liegt das BC Forest Discovery Centre. Hier erfahren wir viel über das Thema „der Mensch und die Vancouver Islands Waldgeschichte“. Heute ist ein besonderer Tag, denn es wird der 100.ste Geburtstag der Museumsdampf- lokomotive „Vulcan Iron Works“ gefeiert. Mit dieser alten Dampfeisenbahn unternehmen wir eine Zeitreise zu den verschiedenen Ausstellungsbereichen. Zur Feier des Tages kamen allerlei dampfbetriebene Fahrzeuge zusammen, wie z. B. die Ruston Proctor Straßenwalze und Dampflastwagen von 1912, eine transportable, dampfbetriebene Holzsäge von 1910, einige Dampftraktoren von 1913 & 1918, Dampfautos aus den Jahren 1899-1925, sowie eine Dampfwasserpumpe Baujahr 1899 der Victoria Feuerwehr.
Einige Kilometer nördlich von Duncan liegt das Städtchen Chemainus. Vor Jahren wurde hier begonnen, freie Fassadenflächen mit großflächigen Wandbildern, sogenannten Murals zu bemalen. Diese Wandbilder wurden zur Touristenattraktion , sodass auch hier ein Rundgang durch den Ort, mit den Fußabdrücken auf den Straßen und Gehwegen, angelegt wurde. Im Info-Center gibt es eine Liste mit den 36 Gemälden, damit keines verpasst wird.
Nun rauschen wir über den Trans Canada Highway bis Parksville, dort biegen wir auf den Hyw #4 ab. Bald darauf führt eine Stichstraße zum Englishman River Falls PP. Der Park ist für die Schön heit seiner beiden Wasserfälle, dem Lower und Upper Fall bekannt. Genau dies ist für uns heute eine willkommene Kurzwanderung in wildromantischer Natur. Ein malerischer Weg führt uns durch einen alt gewachsenen Wald, bestehend aus Hemlock– und Douglastannen, sowie aus Zedern und Ahornbäumen, hinab zu den Lower Falls. Über eine Brücke wechseln wir auf die andere Seite und haben einen tollen Blick in den Canyon. Am Englishman River geht es entlang zu den Upper Falls, auch von hier haben wir von der Brücke einen spektakulären Blick in den Canyon und auf den Fluss.
Den nächsten Stopp legen wir im MacMillian PP ein. Ein Spaziergang führt uns du rch den Cathedral Grove. Es ist ein Regenwald mit majestätischen Douglastannen. Die Straße führt mitten durch den Regenwald und teilt den Wald in zwei Teile. In einem stehen „the oldest Trees“ (über 800 Jahre alt) und in dem anderen „the greatest“ (76 m hoch und 9 m Umfang). Dieser Regenwald wird in seinem natürlichen Zustand belassen. Die umgestürzten Baumriesen werden von Moosen und Flechten bewachsen und von Farnen überwuchert. Mittlerweile ist es fast halb sieben, es wird Zeit, sich um einen Übernachtungsplatz zu kümmern. Wir erreichen den Sproat Lake, einen Süßwassersee, umgeben vom Douglasienwald. Viele Ferienhäuser stehen an den Sandstränden rund um den See. Wir verbringen die Nacht auf dem Campground am Sproat Lake.
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Vancouver Island - McKenzie Range, Pacific Rim NP, Long Beach, 127 Tageskilometer 27. Juni 2010, Sonntag, sonnig mit vereinzelten Wolken, 19°C
Heute soll es ein Strandtag werden. Als wir den Campground am Morgen verlassen, ist das Wetter recht trüb. Wir statten dem See noch einen Besuch ab und bewundern eins der Löschflugzeuge vom Typ „Martin Mars“, welches auf dem See stationiert ist. Die Flugzeuge wurden eigens für das Löschen von Waldbränden umgebaut und sind die größten jemals in Serie gebauten Flugboote der Welt, mit einer Spannweite von 60 m und einem Fassungsvermögen von 27 t Wasser. Wir folgen der Straße, die sich nun Pacific Rim Highway nennt. Unser Womi meistert artig die kurvige, stellenweise steile Strecke über die waldreichen Berge der McKenzie Range mit dem Sutton Pass Summit. Hier fängt es leicht an zu regnen. Mal links, mal rechts der Straße begleitet uns der wilde Kennedy River. Unterwegs weißt ein Schild zum Visitor-Center. Hier informieren wir uns über schöne Wanderungen.
 Kurz vor der Pazifikküste teilt sich die Straße, wir müssen uns entscheiden. Fahren wir erst Richtung Süden nach Ucluelet oder nördlich nach Tofino? Die Entscheidung fällt auf Tofino, wir biegen rechts ab und sind bald darauf im Pacific Rim NP.
Der Parkplatz am Wickaninnish Center wird angefahren. Direkt am Center beginnt der South Beach Trail. Doch zu allererst genießen wir von der Aussichtsterrasse den herrlichen Blick auf den Pazifik, den die Sonne wie viele kleine Diamanten glitzern lässt. Von entgegenkommenden Wanderern werden wir gewarnt, dass nach einigen Hundert Metern auf dem Weg ein Braunbär steht. Aufmerksam wandern wir durch den Regenwald, überqueren Brücken, steigen Holzstufen hinauf und begeben uns weiter in den Wald hinein, bis wir zu einem kleinen Kieselstrand kommen. Doch der Bär ist uns unterwegs nicht begegnet, er hat sich be reits zurückgezogen. Der Strand ist für die Musik, die die rollenden Steine in den auslaufenden Wellen machen, bekannt. Auf den von Felsen umrahmten Strand liegt eine Menge glatt geschliffenes Treibholz und mit viel Fantasie können alle möglichen Figuren darin gesehen werden. Eine ganze Weile verbringen wir auf den Felsen und lassen die großartige Natur auf uns wirken. Gehen dann ein paar Hundert Meter zurück, um über den kilometerlangen Strand von Long Beach zurückzuwandern. Dieser elf Kilometer lange Long Beach ist das Herzstück des Parks. Auch dieser Strand ist gesäumt von angeschwemmten Baumstämmen und gehört zum Schönsten, was British Columbias Küsten zu bieten hat.
Ein Weißkopfseeadler kreist über unseren Köpfen und lässt sich in einer hohen Tanne nieder. Wir spüren ihn mit der Kamera auf und warten, bis er sich wieder in die Lüfte erhebt. Auf dem Treibholz machen wir es uns gemütlich und schauen den Wellenreitern zu, die die Wellen des Pazifiks ausnutzen, um auf den Strand zu gleiten. Nach einer kleinen Mittagsmahlzeit fahren wir einige Kilometer die Küstenstraße entlang, um die angeblich schönste Wanderung dieser Gegend zu machen, den Schooner Trail. Dieser beginnt am Nordrand der Long Beach und führt durch eine üppige, sattgrüne Vegetation zum Strand hinab. Der Anblick der kleinen, vorgelagerten, bewaldeten Insel ruft bei uns Entzücken hervor. Die Sonne leuchtet auf den Strand, das Wasser und lässt auch das Grün der Insel vor dem blauen Himmel in tollen Farben leuchten.
Einige Wasserläufe durchziehen den Strand und direkt dort sehen wir einen Weißkopfseeadler sitzen. Er rupft an irgendetwa s Fressbarem herum, doch plötzlich erhebt er sich rasch, zieht seine Kreise übers Wasser und den Strand und lässt sich in den angrenzenden hohen Tannen nieder.
Auch einige Bussarde kreisen über dem Wasser, schrauben sich immer höher und ver schwinden aus unserem Blickwinkel. Einige Kilometer spazieren wir an dem paradiesischen Sandstrand entlang. Auf dem Rückweg sitzt wieder ein Weißkopfseeadler in der Nähe des Wassers und pickt emsig herum. Auch er erhebt sich nach einiger Zeit und schwebt davon. Als wir näher kommen, sehen wir einen alten Fisch am Strand liegen, der einen abscheulichen Geruch verbreitet. Kurz bevor wir wieder in den Regenwald abschwenken wollen, sehen wir, dass einige Leute vor der kleinen Insel stehen und fotografieren. Schnell eilen auch wir herbei, und da sitzt wieder ein Weißkopfseeadler. Vom Meer kommt ein zweiter herangeflogen und umkreist die Insel. Bald schweben beide durch die Luft, ziehen ihre Kreise, schrauben sich in die Höhe und kommen wieder in Strandnähe. Ganz fasziniert schauen wir dem Spiel der beiden zu. Dann sind sie auf und davon.
Nun gehen wir den wunderbaren Weg durch die grüne Hölle zurück zum Parkplatz. Das war ein fabelhafter Tag mit traumhaften Wetter und beeindruckenden Erlebnissen. Jetzt ist es Zeit, sich einen schönen Campground für die Nacht zu suchen. Heute landen wir auf dem Crystal Cove Beach Resort kurz vor Tofino. Ein Campground, der keine Wünsche offen lässt.
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Vancouver Island - Walsafari in Tofino, Ucluelet, 58 Tageskilometer 28. Juni 2010, Montag, recht trübe 9, - 14°C
Ein etwas trüber Morgen, die Temperaturen sind in den Keller gefallen. Nur 9 °C zeigt das Thermometer. Als wir abfahrbereit sind, fallen ein paar Regentropfen. Wir unternehmen in Tofino einen kleinen Spaziergang, bevor wir bei West Coast Aquatic Safaris eine Whalewatchingtour buchen.
Eine Viertelstunde später geht es schon los. Es ist ein nagelneues Boot und die Tour am Morgen ist nicht ausgebucht. Nur 21 Passagiere sind an Bord. Erst wird uns ein Adlerhorst gezeigt, der allerdings heute Morgen verlassen da liegt. Als das Boot an dem Inselchen vorbei ist, sehe ich den Weißkopfseeadler am Boden sitzen. Im Tempo geht es an vielen kleinen, vorgelagerten Inseln und Felsen vorbei, bis die Maschine abrupt abgestellt wird.
  
Ein Blas ist über dem Wasser zu sehen, dann taucht er auf, der riesige Grauwal und verschwindet wieder im Pazifik. Bald zeigt sich wieder einer an der Wasseroberfläche. Auch er taucht nicht in die Tiefe, denn die Fluke kommt nicht aus dem Wasser. Um uns herum tummeln sich einige Grauwale, doch sie bei der Schaukelei des Bootes mit der Kamera oder dem Fotoapparat einzufangen, ist eine Kunst. Einige Male wird die Maschine angelassen, um ein paar Meter weiter zu fahren, dann dümpeln wir wieder auf den Wellen. Vor uns, hinter uns und in der Ferne können wir den Blas sehen. Ab und zu taucht ein Wal auf, dann ist es Zeit, die Wale wieder in Ruhe zu lassen. Das Boot fährt mit Speed in ein anderes Zielgebiet. Es springt über die Wellen und klatscht in das Wellental. Es herrscht eine ordentliche Dünung. Ein Wal begleitet das Boot, alle sind ganz fasziniert. Plötzlich taucht er ab, keiner rechnet damit und siehe da, wir können die Fluke in ihrer ganzen Pracht sehen. Der Kapitän versucht d as Boot sofort zu stoppen, doch die Schaukelbewegungen sind so heftig, dass es keiner aus der Gruppe schafft, den Wal zu fotografieren. Bald darauf sind wir in dem Gebiet, wo sich Delfine tummeln, doch diese trauen sich nicht nah an das Boot heran. Aber einige Buckelwale umkreisen uns. Dann geht es in voller Fahrt wieder zurück nach Tofino. Auf der Rückfahrt wird eine Verlosung gemacht und Norbert hört nur, dass einer der Crew immer wieder unseren Namen nennt. Er fragt nach, was es gibt und siehe da, hurra, wir haben gewonnen. In dieser Woche wird das neue Boot gefeiert und aus diesem Grunde gibt es eine Verlosung. Am Ende der Tour bekommen wir unser Geld zurück, das ist eine Überraschung, wo wir doch noch nie gewonnen haben. Super!
Nun geht es an der Küste entlang, nach Ucluelet (You-clue-let), dort möchten wir den Wild Pacific Trail (2,6 km) wandern. Es ist ein landschaftlich einmaliger Trail, der wunderschöne Aussichten bietet. An der Steilküste stehen die vom Sturm geprägten Bäume, doch leider ist der Himmel grau und es beginnt leicht zu tröpfeln. Bei schönem Wetter wären das bestimmt malerische Ausblicke. Wir passieren einen kleinen Leuchtturm und blicken auf eine Bucht mit grasgrünem Wasser. Märchenhafte Aussichtstellen gibt es entlang des Weges. Sollte morgen Früh die Sonne scheinen, wird die Wanderung auf alle Fälle wiederholt. Das Ziel heute Abend ist der Ucluelet Campground. Wir stehen oberhalb vom Wasser, somit haben wir einen schönen Blick auf die Fischerboote, die nach ihrem Fang wieder den Hafen anlaufen.
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Vancouver Island - Ucluelet, Fähre Nanaimo, 248 Tageskilometer 29. Juni 2010, Dienstag, sonnig bis wolkig und Regenschauer, 14°C
 Da uns die Sonne am Morgen weckt, machen wir die Wanderung vom gestrigen Abend noch einmal. Die erste Hälfte des Weges bleibt uns die Sonne treu, doch dann versteckt sie sich hinter den Wolken. Nach der Wanderung begeben wir uns auf den Rückweg Richtung Nanaimo.
Während wir den Pass der McKenzie Range passieren, regne t es genauso wie auf der Hinfahrt. Nachdem wir die Berge hinter uns lassen, begrüßt uns die Sonne. Eine kleine Unterbrechung wird noch bei den little Qualicum Falls eingelegt. Auch hier gibt es einen Upper und einen Lower Fall, die über einen Rundweg miteinander verbunden sind und uns viele schöne Blicke in den Canyon ermöglichen. Zügig geht es nun nach Nanaimo. Da wir morgen das Womi wieder abgeben müssen, suchen wir in Nanaimo noch eine Truck-Waschanlage, damit der grobe Schmutz vom Auto entfernt wird. Nach getaner Arbeit steuern wir die Fährstation Duke Point an.
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Von dort fährt die Fähre hinüber nach Tsawwassen. Die Überfahrt dauert zwei Stunden. Auch heute verbringen wir die ganze Zeit auf dem Sonnendeck. Bei sommerlichen Temperaturen verbringen wir die letzte Womi-Nacht auf dem RV-Campground am Wasserpark.
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Vancouver - Womi-Übergabe, Stadtbesichtigung, 15 Tageskilometer 30. Juni 2010, Mittwoch, heiter bis wolkig aber trocken, 21°C
Nachdem die Koffer gepackt sind, wird das Womi zum letzten Mal gründlich gereinigt und die Tanks entleert. Nun ist es soweit, 15 km trennen uns von der Vermietstation in Delta. Auf breiter Trasse geht es immer geradeaus bis wir bei CanaDream eintreffen. Die Übergabe des Womis ist in 10 Minuten problemlos erledigt. Uns wird ein Taxi gerufen und schon bald sind wir auf dem Weg nach Vancouver.
Kurz nach 10 Uhr betreten wir das Renaissance Hotel Harbourside. Unsere Runde hat sich geschlossen. Vor vier Wochen verbrachten wir unsere erste Nacht auf kanadischem Boden in diesem Hotel, nun ist es die letzte. Bei bestem Wetter machen wir uns auf in die Stadt. Wir lösen ein Ticket für den „Big Bus“ mit Hop on, Hop off, besteigen einen der offenen Sightseeing-Busse und machen eine Stadtrundfahrt. Bei der zweiten Runde steigen wir an verschiedenen Stationen aus, so können wir uns einiges genauer ansehen wie z. B. den Nelson Park mit dem sogenannten Mole Hill. Ein Restaurierungsprojekt der Villen im viktorianischen Stil um 1900 zwischen Comox, Thurlow, Pendrell und Bute Street. Wir schlendern entlang des Sunset Beach Parks und blicken hinüber zum Vanier Park.
Kommen am Inukshuk vorbei und flanieren am English Bay Beach entlang. Vor dem Hintergrund der Wolkenkratzer von West End befindet sich der breite Sandstrand vor dem sich ausbreitenden Pazifik. Viele Einheimische nutzen den Strand und die Wiesen unter Palmen zum Picknicken, Sonnenbaden, Joggen, Volleyball spielen oder schauen einfach nur dem bunten Treiben zu. Ein ausgezeichneter Ort zum Wohlfühlen. Den Stanley Park umfahren wir per Bus, da wir ihn am Beginn unserer Reise schon zu Fuß erobert haben. Den nächsten Stop legen wir in Chinatown ein, dort besuchen wir den Dr.-Sun-Yat-Sen-Garten. Genießen beim Spaziergang durch den bezaubernd angelegten Garten die Ruhe und Stille, die dieser Ort ausstrahlt. Sämtliche Materialien des Gartens wurden eigens aus China importiert.
Nun folgt das genaue Gegenteil - Gastown. In diesem Viertel liegt die Geburtsstunde Vancouvers. Vom Maple Tree Square bummeln wir entlang der Water Street, vorbei an netten kleinen Cafés, Restaurants und Designerläden, hier geht es recht quirlig zu. Wir kommen an der berühmten Steam Clock vorbei und gehen über den Canada Place zurück zum Hotel. Nach einer kurzen Ruhephase geht es am Abend noch einmal los und zum Abschluss kehren wir in ein Steakhouse ein und lassen es uns gut schmecken.
Bilder Anreise - Vancouver - Abreise
Abreise 01/02. Juli 2010, Donnerstag, Regen
Heute wird der Canada-Day gefeiert, doch davon bekommen wir leider nichts mehr mit. Bereits um kurz nach 6 Uhr besteigen wir ein Taxi und auf geht es zum Flughafen. Nach dem Koffer aufgeben und der üblichen Kontroll-Zeremonie warten wir nun, an Bord gehen zu können. Dann ist es soweit. Wir sitzen in einem Airbus von United Airlines und heben um 9:00 Uhr ab, mit Ziel Chicago. Um 15:05 Uhr Ortszeit, nach gut vier Flugstunden landen wir auf dem O’Hara Flughafen von Chicago. Unsere Befürchtungen, den Anschlussflug zu verpassen, lösen sich glücklicherweise in Luft auf. Als wir das Flughafengebäude betreten, sehen wir auf der Anzeigetafel, dass unser Weiterflug nur zwei Gates entfernt abgefertigt wird. Somit schlendern wir in der halben Stunde, die uns verbleibt, die Geschäftsmeile auf und ab. Eine halbe Stunde vor Abflug gehen wir an Bord, unsere Sitzplätze sind wieder in der 4. Reihe, jedoch Sitz H und K. Pünktlich erhebt sich der Airbus A 330 in die Luft. Nun liegen noch etwas mehr als acht Flugstunden vor uns, bevor wir in Düsseldorf landen. Die Zeit wird mir überhaupt nicht lang, ich versuche zwar etwas zu schlafen, bin aber dann doch zu neugierig und luge immer wieder aus dem Fenster. Um 7:25 Uhr setzt der Airbus auf der Landebahn in Düsseldorf auf. Deutschland empfängt uns schon am frühen Morgen mit sommerlichen 27 °C. Unsere Koffer sind bei den Ersten, die auf dem Band liegen, es klappt alles hervorragend und ruckzuck stehen wir vor dem Flughafengebäude, doch unser bestelltes Taxi ist noch nicht da. Zehn Minuten später kommt es angefahren. Auf der Autobahn ist nicht viel los und bereits eine Stunde nach unserer Landung stehen wir vor unserer Haustür.
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Fazit:
Die Natur zwischen Vancouver und den Rockys hat uns gefangen. Wir wünschen uns zurück in die Wildnis und die Weite Kanadas, die für uns Freiheit bedeuten. Wir träumen noch immer von der abwechslungsreichen Landschaft der Provinzen British Columbia & Alberta. Von den unendlichen Wäldern, den langen Highways, den gigantischen Bergen der Rocky Mountains und den kristallklaren Seen. Wir sehnen uns zurück in die Stille und vermissen die bezaubernde Natur mit ihrer beeindruckenden Tierwelt. Denken zurück an die langen Strände am Pazifik, die unterschiedlichen Regenwälder, die fantastischen Wasserfälle, die mächtigen Gletscher, an die kleinen netten Orte mit Charme, das gemütliche Viktoria sowie die pulsierende Metropole Vancouvers. All das hat uns begeistert und uns in den Bann gezogen. Es war eine gelungene Rundtour von 4572 Kilometern. Wir waren von der Sauberkeit und dem Zustand des gemieteten Wohnmobils positiv überrascht. So einige Einrichtungsgegenstände wie den großen Kühl- und Gefrierschrank, sowie den Backofen und die Mikrowelle haben wir schätzen gelernt. Die übrige Ausstattung war praktisch und ausreichend, wir würden sofort wieder ein Womi bei CanaDream mieten. Die Übernahme und Rückgabe des Fahrzeugs war unproblematisch und schnell erledigt.
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